Historischer Papst-Besuch in Spanien: Leo XIV. warnt vor „tragischer Migrationskrise“

Politik

Das Wort „historisch“ war in spanischen Medien am Montag allgegenwärtig. Beschrieben wurde damit die Rede von Papst Leo XIV. im Parlament in Madrid. Derartige Auftritte eines Kirchenoberhaupts sind ohnehin eine Seltenheit. Im Falle Spaniens war es aber auch noch der erste Auftritt eines Papstes vor den gewählten Volksvertretern überhaupt.

Entsprechend groß war die Spannung, als Leo XIV. am Montagvormittag in den „Cortes“ an das Pult trat. Der inhaltliche Schwerpunkt lag – wie auf seiner gesamten sechstägigen Reise durch das iberische Land – auf der „tragischen Migrationskrise“.

„Den Menschen in den Mittelpunkt stellen“

Die Situation von Migranten und Flüchtlingen erfordere eine Antwort, so Leo XIV. auf Spanisch, „die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, die die Ursachen ihres Weggangs angeht und über die bloße Steuerung der Migrationsströme hinausgeht“. Daraus ergebe sich ein doppeltes Erfordernis sozialer Gerechtigkeit: sichere und legale Wege, würdige Aufnahmebedingungen, echte Integrationsmöglichkeiten bieten – und das Recht zum Verbleib im eigenen Land zu fördern.

Der Einsatz des Pontifex für Flüchtlinge passt zum Kurs von Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez, der für eine liberale Migrationspolitik steht. Viel beachtet ist etwa seine Massenlegalisierung von 500.000 Migranten, für die er auch Zuspruch der Spanischen Bischofskonferenz erhält. Klarer Widerspruch ist hingegen die Forderung der Vox-Partei nach „nationaler Priorität“, also Spanier zum Beispiel bei Sozialhilfe gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund zu bevorzugen. Auch die konservative Volkspartei (PP) hat zunehmend solche Forderungen der Rechtspopulisten übernommen.

Zweites Treffen

Für Leo XIV. ist es bereits das zweite Aufeinandertreffen mit Sánchez innerhalb kürzester Zeit. Als der spanische Regierungschef Ende Mai im Vatikan zu Besuch war, wurden weitere Korruptionsvorwürfe in dessen Umfeld bekannt. Der Besuch des Pontifex wird auch als Atempause für den angeschlagenen Sozialisten bezeichnet.

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Schließlich vertreten die beiden auch in puncto Bekämpfung von sozialer Ungleichheit, Aufrüstung (Sánchez weigert sich, der Forderung Donald Trumps nachzukommen, das Verteidigungsbudget auf fünf Prozent des BIP zu erhöhen) und Iran-Krieg ähnliche Ansichten und haben deswegen bereits mehrfach den Zorn des US-Präsidenten zu spüren bekommen.

Auch in seiner Rede im Parlament zeigte sich der Papst besorgt, „dass sich an verschiedenen Orten der Welt, auch in Europa, die Aufrüstung erneut als fast unvermeidliche Antwort auf die Instabilität der internationalen Lage darstellt“. Wahre Sicherheit „entspringt der Gerechtigkeit, dem geduldigen Dialog, der Achtung des Völkerrechts und einer Politik, die in der Lage ist, das Leben der Völker über Interessen zu stellen, die vom Krieg profitieren“. Jeder Krieg sei letztlich „eine schmerzhafte Niederlage für die Fähigkeit zu verhandeln“. 

Meinungsverschiedenheiten gibt es hingegen bei den Themen Abtreibung und Sterbehilfe, die Leo XIV. unter Anspielung auf den Schutz des Lebens „von der Empfängnis bis zum natürlichen Lebensende“ angesprochen hat. Beides ist in Spanien sehr liberal geregelt.

Missbrauch in der Kirche

Auf seine Rede folgte dennoch siebenminütiger Applaus aller Fraktionen. Nur Abgeordnete der linken Podemos- und der galicischen BNG-Partei hatten den Papst-Auftritt im Parlament boykottiert. Hintergrund sind die vielen Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche, die Leo XIV. bei einem Treffen mit spanischen Bischöfen im Anschluss als „Plage“ kritisierte. Danach stand am Montag ein Treffen mit Missbrauchsopfern auf dem Programm.

Am Dienstag geht es für den Pontifex weiter nach Barcelona und im …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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