Trump beschimpft Netanjahu – doch dessen Krieg im Libanon geht weiter

Politik

Die Bewohner im Norden Israels wurden am Dienstag erneut von Luftalarm geweckt. Das israelische Militär teilte mit,  zwei aus dem benachbarten Libanon abgefeuerte Raketen abgefangen zu haben. Eine Drohne soll eine militärische Stellung nahe der Grenze getroffen haben. Verletzte wurden in Israel keine gemeldet – anders als im Libanon. 

Dort sollen am Dienstag im Süden des Landes bei israelischen Angriffen mindestens vier Menschen getötet und mehrere weitere verletzt worden sein. Israels Militär erließ zudem eine neue Evakuierungsanordnung für Nabatieh, eine der größten Städte im Süden Libanons, die bereits zuvor stark bombardiert worden war.

Dabei hatte US-Präsident Donald Trump in der Nacht auf Dienstag eigentlich einen anderen Kurs vorgegeben: Auf seiner Plattform Truth Social verkündete er, einen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah vermittelt zu haben. Die Terrormiliz habe über Vermittler zugesichert, Israel nicht mehr anzugreifen, Israels Premier Benjamin Netanjahu habe ebenfalls zugestimmt, so Trump. „Mal sehen, wie lange das anhält – hoffentlich für die EWIGKEIT!“

Erleichterung in Beirut

In der libanesischen Hauptstadt Beirut dürfte sich Erleichterung breitgemacht haben. Nur Stunden zuvor hatte Netanjahu angekündigt, die südlichen Vororte bombardieren zu lassen, die als wichtiges Einflussgebiet der Hisbollah gelten. Daraufhin setzte eine große Fluchtwelle ein.

Bereits in den Tagen zuvor war der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah zunehmend eskaliert. Das israelische Militär war so weit in den Libanon vorgedrungen wie seit 25 Jahren nicht mehr. Seit dem 2. März, als die Miliz im Iran-Krieg aus Solidarität mit Teheran Raketen auf Israel abfeuerte und eine zweite Front eröffnete, wurden über eine Million Menschen vertrieben und mehr als 3.400 getötet.

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Trumps Posting war ein Telefonat mit Netanjahu vorausgegangen. Dabei soll es zu turbulenten Szenen gekommen sein. „Du bist total verrückt“, soll der US-Präsident den israelischen Premier angeschrien haben, berichtet Axios unter Berufung auf Insider. Trump habe Netanjahu gewarnt, ein Angriff auf Beirut werde Israel international weiter isolieren. Der US-Präsident soll auch behauptet haben, er habe dazu beigetragen, dass Netanjahu, dem Korruption angelastet wird, nicht im Gefängnis sitzt („Ich rette deinen Hintern“).

Hintergrund des Wutausbruchs ist die Ankündigung des Regimes in Teheran, Gespräche mit Washington auszusetzen. Trump, der den Krieg mit dem Iran möglichst rasch beenden möchte, fürchtet, dass Netanjahus Vorgehen im Libanon seine Pläne weiter durchkreuzen könnte.

Netanjahu erklärte seinerseits nach dem Telefonat auf X, Israel werde die Militäroperationen im Süden des Libanon fortsetzen. „Unsere Haltung bleibt unverändert“, so der Premier: Israel werde Terrorziele in Beirut angreifen, „falls die Hisbollah nicht aufhört, unsere Städte und Bürger anzugreifen.“ Über der libanesischen Hauptstadt kreiste am Dienstag eine israelische Drohne. Zur großen Eskalation kam es jedoch nicht.

In Israel unter Druck

Innenpolitisch steht Netanjahu aber unter Druck, die Angriffe im Libanon fortzusetzen. In Israel ist der Frust groß, dass die Hisbollah weiterhin stark genug ist, um den Norden Israels anzugreifen. In den vergangenen drei Monaten soll die Miliz rund 5.500 Raketen auf IDF-Truppen im Süden Libanons sowie rund 2.500 Raketen auf Israel abgefeuert haben. Zudem hat sie 300 Drohnen gestartet.

Kritik kam am Dienstag sowohl von der Opposition als auch aus der Regierungskoalition: Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir forderte Netanjahu auf, zu Präsident Trump „nein“ zu sagen. Oppositionspolitiker Gadi …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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