Alfred Tatar ist tot. Warum er unvergessen bleibt

Sport

Wenn Alfred Tatar über Fußball sprach, dann wurde es rund um ihn oft still. Er konnte aus einem gewöhnlichen Bundesliga-Spiel mehr machen als nur eine Analyse. Aus einem harmlosen Spielzug wurde schnell eine Grundsatzdebatte. Tatar verstand den Fußball – doch was ihn ebenso auszeichnete, war, dass er ihn oft ein wenig anders sah, sich kein Blatt vor den Mund nahm und auch gerne provozierte.

Allerdings hatte er nicht selten recht. Das mussten vor allem jene einsehen, die mit ihm diskutierten. Ob in seinem geliebten Stammlokal, dem Cafe Anzengruber, oder vor laufender Kamera wie etwa Hannes Kartnig. Der wortgewaltige Sturm-Präsident kritisierte nach einem Spiel bei der SV Ried im September 2001 den Schiedsrichter, weil dieser nicht gesehen habe, dass der Ball „mit vollem Umfang“ hinter der Linie gewesen sei. „Durchmesser“, entgegnete Ried-Trainer Tatar trocken und brachte den polternden Kartnig zum Schweigen. „Der Ball muss mit vollem Durchmesser hinter die Linie. Durchmesser ist 2 r mal Pi“, belehrte der studierte Biologe den Präsidenten. „Ich gebe gerne Nachhilfe.“

Der TV-Experte

Fußball-Nachhilfe auf seine Art gab der Niederösterreicher über viele Jahre als TV-Experte. Dabei wollte er das ursprünglich gar nicht, erinnert sich Moderator Thomas Trukesitz, der Tatar 2004 zu Premiere (später Sky) holte. „Wen soll das interessieren, was ich über Fußball zu sagen habe“, habe er damals gesagt. „Er hat sich selbst nie wichtig genommen und war völlig uneitel. Das haben die Zuschauer gespürt. Gerade deshalb ist er Kult geworden.“

Kultstatus erreichte auch eine seiner Aussagen aus der Zeit als Vienna-Trainer in der 2. Liga. Im Abstiegskampf waren keine feinen Kombinationen gefragt – und genau so erklärte er auch die Philosophie seines Teams: „Wir wollen eine ganz moderne Variante des Brechstangenfußballs ausarbeiten und sind sozusagen die Antithese von Barcelona“, sagte Tatar ins ORF-Mikrofon.

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Er trainierte neben Ried und der Vienna auch den SV Mattersburg in der Bundesliga. Zuvor war er Co-Trainer von Rashid Rachimow bei Amkar Perm und Lok Moskau. Bei der Admira assistierte er Dominik Thalhammer. „Alfred war einer der Menschen, die mich bereichert und inspiriert haben, einer der in Richtungen dachte, in die kein anderer dachte. Und es gab stets etwas zu lachen mit ihm“, erinnert sich der heutige KURIER-Kolumnist.

Der begabte Fußballer

Die speziellen Analysen von Tatar sind in Erinnerung geblieben. Was weniger bekannt ist: Er war auch selbst ein begabter Fußballer. Technisch stark, spielte er im zentralen Mittelfeld u.a. für den Wiener Sport-Club, die Vienna und St. Pölten.

Eine talentierte U-20-Nationalmannschaft mit späteren Größen wie Toni Polster, Andi Ogris oder Franz Wohlfahrt führte Tatar 1983 gar als Kapitän zur WM nach Mexiko. Gerhard Hitzel war Teamchef. „Einer unserer Gegner war China – und weil die Chinesen vor der WM in Nizza testeten, fuhr er extra mit mir mit dem Auto dorthin, um sie zu beobachten“, erinnert sich Hitzel. „Der Fredl war ein echter Kapitän. Er hat sich für die Mannschaft verantwortlich gefühlt.“ Daran erinnert sich auch Toni Polster: „Wir waren Zimmerkollegen und haben rund um die Uhr gelacht. Sein Tod ist ein Schock.“

Für Tatar stand im Fußball der Mensch im Mittelpunkt. Umso mehr störte ihn der Begriff „Spielermaterial“. …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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