Wie verwundbar Österreich bei der Rohstoffversorgung ist

Wirtschaft

Der Iran-Krieg und geopolitische Handelskonflikte haben zuletzt anschaulich gezeigt, dass die EU und Österreich bei bestimmten Rohstoffen stark von anderen Weltmächten, vor allem China, abhängig sind. Eine neue Studie des Kontext Instituts und des Lieferketten-Forschungsinstituts ASCII zeigt, bei welchen Rohstoffen die Versorgung besonders gefährdet ist und was man tun könnte, um die eigene Souveränität zu bewahren und heimische Unternehmen zu schützen.

Nicht nur Rohstoffe, auch Verarbeitung entscheidend

Die EU hat 34 kritische Rohstoffe für die Industrie definiert, sowie 17 strategische Rohstoffe. Letztere sind zur Erreichung strategischer Ziele der Union maßgeblich, etwa Energiewende, Digitalisierung oder Rüstung. Bei 8 davon ist das Versorgungsrisiko besonders hoch, etwa bei Lithium, Magnesium, Nickel oder seltenen Erden. „Bei Lithium gibt es die größte Nachfragesteigerung weltweit“, erklärt Studienautorin Johanna Roniger vom Kontext Institut. „Die EU hat zwar eigene Vorkommen, aber die Verarbeitung ist schwierig.“

Generell seien Europa und Österreich nicht nur bei den Rohstoffen per se vom Ausland abhängig. Auch bei der Verarbeitung und bei Produkten gibt es zu wenig eigene Kapazitäten. „98 Prozent der Permanentmagneten kommen etwa aus China“, so Roniger. Von der Abhängigkeit sei rund die Hälfte der europäischen Exportwirtschaft betroffen, besonders in der Stahlindustrie, im Maschinenbau und in der Fahrzeugherstellung. Es gehe um eine Wirtschaftsleistung von 97 Milliarden Euro.

Nicht zum geopolitischen Spielball werden

„Wir haben eine kritische Abhängigkeit von Regionen, die gezeigt haben, dass sie das als geopolitisches Druckmittel einsetzen“, sagt ASCII-Direktor Peter Klimek. In den USA oder Japan habe man diese Schwachstelle erkannt und arbeite intensiv daran, „China-freie“ Lieferketten aufzubauen. In Europa sei die Verwundbarkeit vielen bewusst. „Wir haben aber Jahre verloren. Es ist dringend notwendig, ins Tun zu kommen.“

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Fünf Strategien, um die Abhängigkeit zu reduzieren

„Unsere Sicherheit sollte nicht von China oder der Straße von Hormus abhängen“, sagt Katharina Rogenhofer , Vorständin des Kontext Instituts. „Bei Rohstoffen sollten wir uns souverän aufstellen.“ Die Studie zeigt mehrere Wege auf, um die Abhängigkeit zu reduzieren. Dazu zählt etwa, die Nachfrage zu reduzieren, indem weniger, dafür qualitativ hochwertigere Produkte in Umlauf gebracht werden. Auch Sanierung statt Neubau oder Energieeffizienzmaßnahmen fallen darunter.

Außerdem könnte man die Materialeffizienz steigern, etwa durch Leichtbau oder Miniaturisierung. Man könnte die Langlebigkeit von Produkten steigern, ihre Wiederverwendbarkeit verbessern oder Recycling ausbauen. Wer die Zirkularität, also die Kreislauffähigkeit von Produkten, verbessere, benötige weniger Rohstoffe. Die Politik halte hierbei wichtige Hebel in der Hand, etwa durch öffentliche Beschaffungsstrategien, Regulierung oder gezielte Förderungen.

Kreativität gefragt, um Aufwand in Grenzen zu halten

Dass dies Investitionen angesichts einer angespannten wirtschaftlichen Lage bedeuten, ist den Studienautoren bewusst. „Das wird uns etwas kosten, aber langfristig wird es uns etwas ersparen“, sagt Rogenhofer. Auch von mehr Bürokratie will die europäische Industrie derzeit nichts wissen, genau im Gegenteil. „Hier braucht es ein bisschen Kreativität“, ist Klimek überzeugt.

Es gebe etwa die Möglichkeit, schon vorhandene Daten und Prozesse zu nutzen, um einen digitalen Produktpass zu erstellen, der das Recycling einfacher machen würde. Die Forschungsförderung könne man weniger im Gießkannenprinzip einsetzen, sondern aus strategischen Überlegungen genau dort, wo man die heimische Wirtschaft zukunftsfit machen könnte.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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