Der mit dem Ball tanzt: Frankreichs Künstler Michael Olise

Sport

Er läuft nicht über den Rasen, er tanzt. Michael Olise ist nicht nur ein exzellenter Fußballer, er ist ein Künstler. Auf sein erstes WM-Tor wartet er noch, für den 24-jährigen Franzosen ist Fußball aber ohnehin mehr als Tore und Siege. „Fußball ist ein großartiger Sport, und deshalb sollte er auch optisch schön sein. Es kann Kunst sein.“ Er selbst sieht sich jedoch nicht unbedingt als Künstler, sondern „einfach als kreativen Menschen“.

Mit seiner Kreativität auf dem Rasen verzückt der Sohn einer französisch-algerischen Mutter und eines nigerianischen Vaters auch bei der WM. Mit fünf Assists führt er die Statistik an. Vor allem mit Superstar Kylian Mbappe versteht er sich blendend. Im Sechzehntelfinale gegen Schweden war er nah dran an seinem ersten Tor, traf aber nur die Stange. Natürlich nicht irgendwie, sondern mit einem Seitfallzieher vom Sechzehner.

Der Tänzer

In London geboren, kickte Olise in der Jugend für ManCity und Chelsea. In Reading schaffte er den Sprung zum Profi, der Durchbruch gelang bei Crystal Palace – zum Schluss unter Trainer Oliver Glasner. Zum Superstar wurde er dann mit dem Wechsel zum FC Bayern, wo er seit 2024 in 107 Spielen 42 Tore erzielte und 54 Assists lieferte.

Apropos Sprung. Wenn Michael Olise den Platz betritt, dann springt er. Und zwar ziemlich hoch, dabei macht er noch eine 360-Grad-Drehung. Es ist sein Einlaufritual – oder sogar mehr? L’Equipe fragte bei einem professionellen Tänzer nach. Ballett-Star Francois Alu ist begeistert von seinem Landsmann und erklärt das Einlaufritual: „Es findet eine Art mentale Umstellung statt. Als ich klein war, habe ich vor Auftritten immer solche Sprünge gemacht. Das ist eine Art, Selbstvertrauen aufzubauen. 

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Olise sieht er als Künstler, von seiner Sprungkraft ist er beeindruckt: „Er springt höher als viele professionelle Tänzer. Und obendrein trägt er Stollenschuhe auf einem ziemlich weichen Untergrund, der eigentlich kein Abfedern zulässt. Das ist verblüffend.“

Wer Olise schon einmal live im Stadion spielen gesehen hat, der weiß, dass es für ihn kaum Pausen gibt im Spiel. Wäre eine Kamera 90 Minuten lang nur auf ihn gerichtet, den Zuschauern wäre nie langweilig. Wenn er den Ball an seinem genialen linken Fuß hat, dann sowieso nicht. Aber auch dann nicht, wenn der Ball ganz wo anders auf dem Spielfeld ist. Olise täuscht da einen Lauf an, tänzelt dort um seinen Gegenspieler herum. Einfach zum Genießen.

Der Ästhetiker

Und der Offensiv-Star ist sich auch für Defensivarbeit nicht zu schade. Sein Credo: „Auch ein schönes Defensivspiel kann großartig sein. Auch ein Zweikampf kann eine unglaublich flüssige und elegante Bewegung sein. Wenn er flüssig ist, wer sind wir, ihm die Schönheit abzusprechen?“ Ob ein Raubein wie beispielsweise Sergio Ramos einen ähnlich ästhetischen Gedanken gehabt hat, bevor er zur Blutgrätsche angesetzt hat?

Genauso unwahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass Olise Torschützenkönig bei der WM wird. Der Titel als elegantester Spieler ist ihm hingegen schon sicher. Ganz egal, ob in der Offensive oder in der Defensive.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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