
Die Nachricht schlug am Dienstag ein wie eine Bombe. Mitten in der Iran-Krise, die laut Experten dazu angetan ist, in eine globale Energiekrise wie zuletzt in den 1970er-Jahren zu münden, treten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) aus der OPEC und OPEC+ (inkl. Russland) aus – und zwar schon am 1. Mai. Sofort wurden in aller Welt verschiedenste Szenarien debattiert, was dieser Schritt der Scheichs aus Abu Dhabi für den Ölmarkt, die hohen Spritpreise von Europa bis in die USA und die Machtverhältnisse in der Golfregion bedeuten könnte. Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen.
Weshalb setzen die Emirate diesen Schritt?
Die Vergeltungsangriffe des Iran haben auch Dubai und Abu Dhabi gegolten. In Dubai wurde der Tourismus getroffen, in Abu Dhabi, das 95 Prozent des Öls der Emirate hat, brannten Anlagen der staatlichen Ölgesellschaft ADNOC. Die Emirate gelten als das Wirtschaftszentrum am Golf und fühlten sich von den Nachbarn im Stich gelassen.
Wie hat sich seit der Ankündigung der VAE aus der OPEC auszutreten der Ölpreis entwickelt?
Am Mittwoch sind die Ölpreise weiter recht deutlich um mehr als fünf Prozent gestiegen. Rund 117 US-Dollar kostet aktuell ein Fass (159 Liter) der in Europa maßgeblichen Rohölsorte Brent. Vor dem Angriff auf den Iran Ende Februar lag der Preis bei 70 bis 75 Dollar je Fass.
Sollte der Ölpreis nicht sinken, wenn die VAE unabhängiger sind und an- kündigen, mehr Öl zu fördern?
Die Erwartung, dass die Öl- und Spritpreise rasch sinken werden, weil die Emirate künftig mehr Öl auf den Weltmarkt liefern wollen, wird sich wohl erst mittel- bis langfristig erfüllen. Entscheidend ist nämlich, dass zuvor die doppelt blockierte Straße von Hormus wieder für den Transport von Rohöl in alle Welt geöffnet wird. Rund 20 Prozent des global gehandelten Rohöls wird in Friedenszeiten durch dieses Nadelöhr zwischen Oman und Iran transportiert. WIFO-Experte Josef Baumgartner sagt: „Kurzfristig wird der Austritt aus der OPEC einen sehr geringen Effekt haben. Weil die Abu Dhabis können ihr Öl momentan nicht verkaufen. Sie müssen auf Lager produzieren und die Lager sind auch schon voll.“
Warum treten die Emirate ausgerechnet jetzt aus der OPEC aus? Ist das nicht ein denkbar schlechter Zeitpunkt? Nein, im Gegenteil. Die Abu Dhabis nutzen die aktuell hohen Preissprünge am Markt und das politische Chaos am Golf und sorgen nicht für weitere Verwerfungen. Sie hoffen, nach der Öffnung der Straße von Hormus mit höheren Fördermengen auf den Weltmarkt kommen zu können – ohne langwierige Debatten in der OPEC unter der Dominanz von Saudi Arabien.
Statt wie 2025 rund 3,4 Mio. Barrel pro Tag zu produzieren, sollen es 2027 fünf Millionen sein. Das sind viele Milliarden mehr an Staatseinnahmen, die Abu Dhabi in die Neuaufstellung seiner Wirtschaft investieren will (KI, Erneuerbare Energie etc.)
Auf die Frage, ob sich sein Land mit Riad abgestimmt habe, erklärte VAE-Energieminister Suhail Mohamed al-Masrui, das Thema sei mit keinem anderen Staat besprochen worden. „Dies ist eine politische Entscheidung, die nach einer genauen Prüfung der aktuellen und künftigen Förderpolitik getroffen wurde“, sagte der Minister.
Kann das Kalkül Abu Dha- bis aufgehen, als Gewin- ner aus der Krise zu kommen? WIFO-Experte Baumgartner ist …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



