Casinos Austria: Sidlo weg, aber Probleme bleiben

Wirtschaft

Abberufung weiterer Etappensieg für Großaktionär Sazka im erbitterten Übernahmekampf, Staatsholding ÖBAG will stärker mitmischen

Der seit 2015 andauernde Übernahmekampf um die teilstaatliche Casinos Austria AG (Casag) hat sich zu Wochenbeginn weiter zugespitzt. Die tschechische Sazka Group ist auf ihrem Weg, den Glücksspielkonzern zu beherrschen, mit der Abberufung des FPÖ-Managers Peter Sidlo als Finanzvorstand einen großen Schritt weiter gekommen. Sidlos Posten dürfte nicht mehr nachbesetzt werden. Bis zu Sidlos Bestellung im heurigen Frühjahr war Casinos-Chefin Bettina Glatz-Kremsner (ÖVP) für die Finanzen zuständig.

Wie teuer die Casinos der Abgang von Sidlo kommen wird, ist noch nicht abschätzbar. Müssten alle seine Ansprüche ausbezahlt werden, rechnet man intern mit mindestens 1,5 Millionen Euro. Sidlo hat ein Fixum von 350.000 Euro plus einem jährlichen Bonus von maximal 100 Prozent, sein Vertrag läuft auf drei Jahre.

Er selbst sagte nach der turbulenten Sitzung gegenüber der APA, er werde sich zuerst den Abberufungsbescheid im Detail ansehen.

Die Tschechen allerdings sind guten Mutes, dass die Ablöse nicht viel kosten werde. Sie argumentieren, Sidlo habe es dem Aufsichtsratspräsidium gegenüber mit der Wahrheit nicht ganz so genau genommen.

Nach einer parlamentarischen Anfrage der Neos über seine Bestellung forderte die Aufsichtsratsspitze Sidlo zu einer Stellungnahme auf. In einem Brief, der dem KURIER vorliegt, erklärte Sidlo, politische Absprachen seien ihm nicht bekannt (siehe Faksimile).

Kurier

Die zuletzt öffentlich gewordenen Chats hätten jedoch bewiesen, dass Sidlo darüber Bescheid wusste. Allerdings kann argumentiert werden, Sidlo habe sein Schreiben nur auf einen bis heute nicht bewiesenen Deal zwischen FPÖ und Novomatic bezogen. Er hatte in seiner Bewerbung den damaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache als Referenz angegeben.

Wie man hört, soll die auf Arbeitsrecht spezialisierte Kanzlei Schima von einem Gerichtsverfahren abgeraten und eine einvernehmliche Lösung empfohlen haben. Die Casinos hatten heuer bekanntlich schon einige Millionen Euro für die Auflösung der Verträge der „alten“ Vorstände Dietmar Hoscher (SPÖ) und Alexander Labak hingelegt. Was die Betriebsräte besonders in Rage brachte.

Chefin gegen Sidlo

Zu Beginn der Aufsichtsratssitzung hatte Glatz-Kremsner argumentiert, Sidlo sei für das Unternehmen nicht mehr tragbar und eine Entscheidung gefordert. Die sechs Betriebsräte hatten sich angeschlossen. Vor wenigen Wochen noch hatte die Chefin von einer professionellen und guten Zusammenarbeit mit Sidlo gesprochen.

Die Abberufung ging mit großer Mehrheit durch. Aufsichtsratspräsident Walter Rothensteiner und seine Vize, LLI-Chef Josef Pröll, sowie Novomatic-Chef Harald Neumann, enthielten sich. Der zweite Novomatic-Vertreter stimmte gegen die Abberufung. Der interne Prüfbericht hatte wie berichtet die Bestellung von Sidlo und die Auflösung der alten Verträge als korrekt beurteilt. Aber das spielte jetzt keine Rolle mehr.

APA/LUDWIG SCHEDL

ÖBAG-Präsident Helmut Kern.

ÖBAG-Präsident Helmut Kern: „Casinos brauchen Eigentümer, die sich einig sind“

Die Situation bei den Casinos, einem der größten Steuerzahler des Landes, ist völlig verfahren. Der tschechische Großaktionär Sazka (38 Prozent) will die Mehrheit erlangen, die beim Einstieg angeblich vom damaligen ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling versprochen wurde. Novomatic steckt aus wettbewerbsrechtlichen Gründen bei 17 Prozent fest. Zwischen den beiden Gaming-Riesen hat die Staatsholding ÖBAG mit ihrer Drittelbeteiligung kein leichtes Spiel.

Die ÖBAG hat keinen direkten Vertreter im Aufsichtsrat der Casinos und ist daher von den Informationen ausgeschlossen. Die Staatsholding bekommt nicht einmal den Prüfbericht über die Bestellung von …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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