„Gemünzte Freiheit“ – Forum zur Zukunft des Bargelds gegründet

Wirtschaft

Neue Plattform „Euro-Bargeld 360 Grad“ soll informieren und helfen, die Vorteile der physischen Zahlungsmittel zu wahren.

Stabilität, Sicherheit, Barrierefreiheit, Privatsphäre und Geschwindigkeit. Das sind einige Vorteile des Bargeldes, die die Österreichische Nationalbank (OeNB) auch in Zukunft erhalten möchte. Im Rahmen einer Pressekonferenz mit Vertretern der Münze Österreich, den Sozialpartnern und weiteren Stakeholdern wurde die neue Plattform „Euro-Bargeld 360 Grad“ gegründet. Sie soll einen offenen Dialog über die Bedeutung, die Probleme und mögliche Lösungen im Zusammenhang mit Bargeld in Österreich ermöglichen.

Sicherheit und Stabilität

„Bargeld ist cyber-resilient. Barzahlungen sind sicher, weil keine Gefahr von Hackerangriffen oder Phishing-Attacken besteht, sie sind günstig, weil für Transaktionen keine Gebühren anfallen, und sie sind schnell, weil Zahlungen einfach und rasch erledigt sind“, erklärt Münze Österreich-Generaldirektor Gerhard Starsich.

Das sei auch wichtig für den Fall eines Blackouts, wenn digitales Zahlen nicht mehr möglich ist, bestärkt Ex-OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny. Auch der aktuelle Gouverneur, Robert Holzmann, stellt Stabilität und Sicherheit in den Fokus. Die Plattform sei gegründet worden, um die Gesellschaft im Umfeld multipler Krisen zu sensibilisieren. Es gehe um den Erhalt der Wahlfreiheit, denn Bargeld sei „gemünzte Freiheit“, wie Nowotny zusammenfasst.

Wichtig für Ältere

Auch abseits der Krisen habe das Bargeld jedoch weiter seinen Platz. Seniorenratspräsidenten Peter Kostelka und Ingrid Korosec warnen etwa vor dem Ausschluss von über zwei Millionen Menschen aus dem sozialen Leben. Wer die Kulturtechniken des Internets nicht beherrsche, könne beispielsweise nicht mehr die günstigsten ÖBB-Tickets kaufen. Bargeld sei gedruckte Freiheit, bekräftigt Korosec Nowotnys Bekenntnis.

Genauso muss verhindert werden, dass ältere Personen Hilfe brauchen, um ihre, nur noch digitalen, Finanzangelegenheiten zu regeln. Hier gäbe es ein großes Privatsphäreproblem, insbesondere da die Helfenden üblicherweise auch zukünftige Erben sind.

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Doch nicht nur ältere Leute würden einer Übertechnisierung des Bezahlens kritisch gegenüber stehen, so Bernd Lausecker vom Verein für Konsumenteninformation (VKI). Bargeld habe auch eine soziale Komponente. Während eine Kreditkarte in höherem Alter einfach entzogen werden kann, weil der Kreditrahmen nicht mehr zur Lebenserwartung passt, ist es dem Bargeld egal, wer es benutzt. Außerdem stehe der Datenschutz im Zentrum. Mit Bargeld kann niemand kontrollieren, welche Transaktionen man tätigt – ein Anliegen aller Generationen.

Flächendeckende Versorgung

Alfred Riedl, Präsident des Gemeindebundes, spricht sich für eine flächendeckende Versorgung mit Bargeld aus. Diese sei durch die Ausdünnung des Bankfilialnetzes gefährdet, die Nahversorger würden jedoch mit unterschiedlichen Programmen die Lücke füllen.

Zum aktuellen Volksbegehren für uneingeschränkte Bargeldzahlungen wollte die OeNB keine Stellung nehmen. Ein verfassungsrechtlicher Schutz des Bargeldes sei Sache des Gesetzgebers. Gouverneur Holzmann kann sich jedoch vorstellen, das Volksbegehren persönlich zu unterstützen.

Bei aller Rückendeckung für das Bargeld mahnt der ehemalige OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny vor zu viel Sorge. Es gebe keine akute Bedrohung für das Bargeld, die Plattformgründung der OeNB sei keine Reaktion auf aktuelle Gegebenheiten. Vielmehr wolle man bestärken, wohinter man sowieso immer stehe: Bargeld ist wichtig und bleibt erhalten.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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