Lyocell-Hersteller Lenzing mit Gewinnrückgang wegen gestiegener Kosten

Wirtschaft

Ausblick auf das Gesamtjahr bleibt dennoch gleich. Zwei neue Werke werden aktuell hochgefahren.

Der oberösterreichische Textilhersteller Lenzing musste im ersten Halbjahr einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen. Das Periodenergebnis sank um rund ein Viertel auf 72,3 Mio. Euro. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) verringerte sich gegenüber der Vorjahresperiode um 13,3 Prozent auf 188,9 Millionen Euro. Der Umsatz ist um 25 Prozent gestiegen, das sei vor allem auf die gestiegenen Faserpreise zurückzuführen, so Vorstandschef Stephan Sielaff am Vormittag vor Journalistinnen und Journalisten.

Die Ursache für den Ergebnisrückgang sei vor allem im „immensen Kostendruck“ bei Energie und Rohstoffen zurückzuführen. Auch zwei neue Anlagen – eine in Brasilien, eine in Thailand – seien gerade im Hochfahrbetrieb, würden also „volle Kosten“ verursachen, aber noch keinen Ergebnisbeitrag liefern. Das Ergebnis je Aktie ist mit 2,36 Euro ebenfalls rückläufig.

Das „größte Investitionsvolumen in der Geschichte der Lenzing“ habe sehr erfolgreich umgesetzt, so Sielaff bezüglich der neuen Anlagen in Brasilien und Thailand. In Thailand ist eine Lyocell-Anlage mit einer Kapazität von 100.000 Tonnen entstanden, in Brasilien ein Zellstoffwerk. Die Werke seien „gerade in der Hochlaufphase“ und würden „schon im zweiten Halbjahr“ erste positive EBITDA-Ergebnisse beitragen.

Hohe Abhängigkeit

Sorgen bereitet Lenzing natürlich das Thema Energie bzw. Gas. An allen neun Standorten weltweit gebe es Energiekostensteigerungen. „Ein echtes Risiko, dass wir in einen Versorgungsengpass kommen können, sehen wir nur in Kontinentaleuropa.“ Hier hat Lenzing drei Fabriken. Zwei davon, der Unternehmenssitz im oberösterreichischen Lenzing und der Standort im tschechischen Paskov, seien aber mit Zellstoffproduktion ausgestattet, die mit einem Bioraffinereikonzept betrieben wird, also ein „hohes Maß an Eigenversorgung“ gegeben ist.

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Beim Werk im burgenländischen Heiligenkreuz ist die Abhängigkeit von Gas mit 90 Prozent aber groß, ein Ausstieg aus dem Gas dauere „mehrere Jahre“, so Sielaff. Ein solcher wird jedenfalls mit Installation von Fotovoltaik, Nutzung von Geothermie und dem Einsatz von Biomasse als Energiequelle angestrebt. Kommt aber heuer kein Gas mehr aus Russland, müsste man die Produktion in Heiligenkreuz „drosseln oder sogar abstellen“, so Sielaff.

Abgesehen von den genannten Maßnahmen ist Lenzing auch dabei, vermehrt kritische Rohstoffe und Energieträger einzulagern. Konkrete Angaben zu Ausmaß und Fortschritt wollte Sielaff nicht machen.

Kritik

In Sachen Energiekonzepte sei der Kontakt mit der Bundesregierung sehr eng, er telefoniere regelmäßig mit Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne), erklärte Sielaff auf Nachfrage. Dennoch erhoffe man sich von der Bundesregierung „weitere Anstrengungen und mehr Flexibilität“ im Bereich Unterstützung der Industrie. „Wir suchen maßgeschneiderte Lösungen für die österreichische Industrie und nicht das dogmatische Festhalten an EU-Richtlinien.“ Das skizzierte er anhand eines Beispiels zur Strompreiskompensation.

Es sei vorgesehen, dass in Österreich Betriebe, die Zellstoff produzieren, gefördert werden. Allerdings habe Lenzing eine integrierte Produktion, bei der die Reste für etwa die Erzeugung thermischer Energie genützt würden. Aber durch diese integrierte Produktion fiele Lenzing aus Förderungen für Zellstoffproduktion. „Das kann und soll nicht so sein.“

Nachfolge offen

Wann es eine Nachfolge für die Position des Finanzchefs bzw. Finanzchefin gibt, ist noch offen. Es sei zwar natürlich Sache des Aufsichtsrats, die Gespräche seien jedenfalls „sehr weit fortgeschritten“, so Sielaff. Der bisherige Finanzchef Thomas Obendrauf hatte ja im März bekannt gegeben, sein im Juni auslaufendes Vorstandsmandat nicht verlängern zu wollen. …read more

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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