Mitgefühl und Ehrlichkeit: Was gute Chefs und Chefinnen ausmacht

Wirtschaft

Mitarbeitende erzählen, wieso sie die perfekte Chefin haben, zwei Arbeitspsychologinnen erklären, worauf es dabei ankommt.

Fast die Hälfte aller österreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (41 Prozent) sind mit ihrem Vorgesetzten unzufrieden. Das ergab eine Studie von stepstone im Jahr 2020. Petra Meisel gehört zweifellos nicht dazu. Wenn die 52-Jährige von ihrer Chefin spricht, kommt sie ins Schwärmen: „Man kann bei ihr so sein, wie man wirklich ist. Und sie hat auch keine Scheu, selbst Schwächen zu zeigen. Das ermutigt auch uns Mitarbeitende, Gefühle nicht zu verbergen.“

Teamführung ist Kunst

Ein Team gut zu führen, ist große Kunst. Neben Managementfähigkeiten gehört vor allem soziale Kompetenz zum Anforderungsprofil. Gerade letztere wird für Mitarbeitende zunehmend wichtiger, konstatiert Arbeitspsychologin Anna Lammert-Hejl. „Statistiken zeigen, dass ein freundschaftliches Arbeitsklima für junge Mitarbeiter eines der wichtigsten Kriterien bei der Wahl des Arbeitgebers ist. Meiner Meinung nach wird das zukünftig eine noch größere Rolle spielen.“

Petra Meisel arbeitet am Wiener Bundesforschungszentrum für Wald im Bereich Kommunikation. Ihre Chefin ist die um 17 Jahre jüngere Katharina Lapin, die seit Februar 2021 das Institut für Waldbiodiversität und Naturschutz leitet.

Führungsposition

Die neue Position als Führungskraft war anfangs eine Umstellung für sie: „Man muss erst hineinwachsen. Es hilft auf jeden Fall, mit seinen Mitarbeitern zu reden, sie gut zu kennen. Also zu wissen, was sie mögen und worüber sie sich aufregen. Ich versuche, jedes ihrer Anliegen ernst zu nehmen“, verrät Lapin ihr Führungsgeheimnis. Petra Meisel kann das bestätigen: „Sie hat immer ein offenes Ohr, ist empathisch und nimmt sich Zeit für jede und jeden.“

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Katharina Lapin, 35, leitet das Institut für Waldbiodiversität und Naturschutz

Es mag auf den ersten Blick banal erscheinen, aber einer der wesentlichen Faktoren für Mitarbeiterzufriedenheit besteht darin, dass Chefs und Chefinnen empathiefähig sind. Susanne Hickel, die gemeinsam mit einem Kollegen das arbeitspsychologische Zentrum bei Health Consult in Wien leitet, sieht darin freilich einen neuen Trend: „Waren früher vor allem die organisatorischen Rahmenbedingungen sowie die Anerkennung von Leistung vorrangig, so gewinnt das Gefühl von Zugehörigkeit, sozialer Geborgenheit und persönlicher Wertschätzung immer stärker an Bedeutung.“

Was ambitioniert klingt, ist recht simpel. Im Grunde geht es nämlich darum, von der Chefin oder vom Chef mitsamt seiner Arbeit gesehen und wertgeschätzt zu werden. Petra Meisel bringt ein konkretes Beispiel: „Wir haben einmal einen EU-Wettbewerb mit einem unserer Kurzfilme gewonnen. Als wir am nächsten Tag ins Büro kamen, hat uns Katharina mit einer Feier inklusive Torte überrascht. Das war einfach nett.“

Mitgefühl und Wertschätzung

Neben Mitgefühl und Wertschätzung für das, was sie tun, erwarten Mitarbeitende zunehmend, dass ihre Arbeit auch sinnstiftend ist. Martin Braun, ebenfalls Mitarbeiter im Team von Katharina Lapin: „Mir ist wichtig, dass ich weiß, wofür ich etwas mache. Zu wissen, woran man gerade ist, und in welche Richtung Projekte steuern.“

Arbeitspsychologin Lammert-Hejl spricht in diesem Zusammenhang von einer richtigen „Bewegung“ und rät Führungskräften, „neben dem ’Was’ und ’Wie’ das ’Warum’ viel stärker zu kommunizieren.“ Das wird auch deshalb immer wichtiger, „weil zukünftige Generationen immer weniger Bindung zum Unternehmen haben und es sicher nicht ausreicht, sie nur mit einem guten Gehalt zu binden.“ War es das schon? Nein, denn in den …read more

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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