„Rotzfreche Angebote“: Gewerkschafter droht mit Streiks bei Frühjahrslohnrunde

Wirtschaft

Die aktuelle Frühjahrslohnrunde könnte die längste in der Geschichte der KV-Verhandlungen werden. Eigentlich sollten schon am 1. Mai die neuen Gehaltstafeln gelten, doch in den drei Kernbranchen Elektro-, Chemie- und Papierindustrie ist man meilenweit von einer Einigung entfernt. In der Elektroindustrie wird seit mittlerweile neun Wochen ohne erkennbare Annäherung der Sozialpartner verhandelt.

„In der Elektroindustrie steigt die Spannung, in der Chemie stimmt die Chemie nicht mehr und in der Papierindustrie fühlen wir uns papierlt“, fasst Reinhold Binder, Vorsitzender der Produktionsgewerkschaft (ProGe) die Hängepartie zusammen. An dieser seien die Arbeitgeber schuld, die destruktiv wie selten seien und die Arbeitnehmerseite mit „rotzfrechen Angeboten“ hinhalten würden.  

Einmalzahlung und 1 Prozent

So bieten die Arbeitgeber in der chemischen Industrie lediglich eine Einmalzahlung, in der Elektroindustrie ein mageres Plus von ein Prozent (s. oben). „Absolut respektlos“, schäumt Binder. Die Gewerkschaft hat bereits zu Betriebsversammlungen gerufen und droht mit ersten Streiks, sollten die nächsten Verhandlungsrunden kommende Woche keine substanziellen Fortschritte bringen.  

„Die Stimmung in den Betrieben brodelt, die Menschen haben eine Wut, weil es in der Industrie wieder bergauf geht, sie aber nichts davon haben“, sagt der Gewerkschafter zum KURIER.  „Es muss eine substanzielle Aufbesserung der Angebote geben, sonst werden wir  Streikmaßnahmen einleiten“.

Managergagen steigen

Den Flaggschiffen der Industrie gehe es gut, wie erste Quartalsergebnisse zeigen würden. „Die Managergagen sind alle in trockenen Tüchern, da gibt es keine Zurückhaltung. Jetzt wäre es an der Zeit, den Arbeitnehmern ein vernünftiges Angebot zu machen“, appelliert Binder an die Gegenseite.

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Ein Entgegenkommen wie bei den Metallern im Herbst werde es diesmal nicht geben. Die Faktenlage sei hier ganz anders, es handle sich bei diesen Industrien um „Krisengewinner“ mit vollen Auftragsbüchern. Der ProGe-Vorsitzende verweist etwa auf Siemens Energy in der Steiermark, wo die Produktion auf Jahre hin ausgelastet sei.

Inflationsanstieg als Schatten über den Verhandlungen

Die seit Ausbruch des Iran-Krieges wieder anziehende Inflation – im April lag sie bei 3,3 Prozent – hängt wie ein Schatten über den KV-Verhandlungen. Die Industriebetriebe stöhnen unter steigenden Energiekosten und verweisen auf die unsichere Rohstoffversorgung. Ein Spielraum für hohe Lohnabschlüsse sei definitiv nicht gegeben, hieß es zuletzt aus der Industriellenvereinigung.

 „Hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten, schwache Nachfrage und mehr als 600 verlorene Arbeitsplätze allein im vierten Quartal 2025 zeigen, wie ernst die Lage der chemischen Industrie ist“, kontert Arbeitgeber-Chefverhandler Ernst Gruber. Beim Nachbarn Deutschland sei vor Kurzem eine Nulllohnrunde vereinbart worden, um den Standort abzusichern. „Wächst der Kostenabstand zu unserem wichtigsten Absatzmarkt und Mitbewerber weiter, führt dies unweigerlich zu fehlenden Aufträgen und dem Verlust von noch mehr Arbeitsplätzen.“ Gruber wirft wiederum der Gewerkschaft vor, nur Scheinverhandlungen zu führen.

Rollierende Inflation bei 3,3 Prozent

Basis für die Verhandlungen ist die rollierende Inflation der vergangenen zwölf Monate, und die liegt in der Chemie- und Elektroindustrie bei ca. 3,3 Prozent. Die Forderungen der Gewerkschaft liegen bei 3,5 Prozent. Eine Nulllohnrunde schließt Binder kategorisch aus. Über Einmalzahlungen könne man erst dann reden, wenn ein konstruktives Angebot vorliege.  

Auch für kreative Lösungen wie ergebnisabhängige Staffelung oder Rezessionsklauseln sei man offen. Ein Abschluss in der Frühjahrslohnrunde der Industrie ist immerhin schon geschafft: Die Gehälter der 7.500 Beschäftigten in der Textilindustrie stiegen …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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