UniCredit will mit Commerzbank noch deutscher werden

Wirtschaft

Es war ein Coup, der die deutsche Finanzwelt aufhorchen ließ. 2005 hat die Mailänder Großbank UniCredit die Münchner HypoVereinsbank (HVB) und damit im gleichen Zug auch deren österreichische Tochter Bank Austria übernommen. Sie war selbst aus Fusionen und Übernahmen entstanden – der Zentralsparkasse, der Länderbank, der Creditanstalt.

Jetzt will der nicht unumstrittene UniCredit-Chef Andrea Orcel (62), mit 16,5 Mio. Euro im Jahr einer der bestbezahlten Banker Europas, das nächste große Stück. Mit der Übernahme der Commerzbank – nach der Deutschen Bank das zweitgrößte Institut des Landes – würde er sein deutsches Reich erheblich vergrößern.

Orcel stößt jedoch auf heftigen Widerstand der Politik, des Commerzbank-Vorstandes unter Bettina Orlopp und der streitbaren Betriebsräte, die wissen, dass der UniCredit-Boss 7.000 Stellen abbauen will. Doch das kümmert Orcel wenig. Aus dem Investmentbanking kommend, ist er gewöhnt, mit harten Bandagen zu kämpfen.

Und er weiß: Berlin kann die als feindlich eingestufte Übernahme nicht verhindern. Schließlich hat sich die Bundesrepublik, die die Commerzbank in der Finanzkrise 2008/09 mit vielen Steuerzahler-Milliarden gerettet hat und dafür Aktien erhielt, seit 2024 aus der Bank zurückgezogen. Der deutsche Staat hält nur noch zwölf Prozent an der Commerzbank.

Freiwilliges Angebot

Am Dienstag legten die Mailänder nicht nur ein Rekordergebnis von 3,2 Milliarden Euro für das 1. Quartal vor, sondern auch das seit März erwartete freiwillige Angebot an die Commerzbank-Aktionäre auf den Tisch.

Sie sollen für ihre Aktien UniCredit-Anteilsscheine erhalten. Das Angebot ist freilich nicht besonders verlockend, bewertet es die Frankfurter Bank doch mit rund 35 Milliarden Euro, während die Marktkapitalisierung bei rund 40 Milliarden Euro liegt.

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Das scheint Kalkül. Es kommt Orcel nicht darauf an, sofort möglichst viele Commerzbank-Aktien einzusammeln. Sobald er nur die Schwelle von 30 Prozent erreicht, hat UniCredit nach einem halben Jahr die Möglichkeit, über die Börse beliebig viele weitere Papiere der Commerzbank aufzukaufen – ohne Pflichtangebot an die verbliebenen Aktionäre. So will es das deutsche Übernahmerecht.

Orcel rechnet bereits vor, was die Übernahme der Commerzbank aus seiner Sicht bringen soll. Eine schlankere Zentrale, eine Modernisierung der IT, ein geringerer Finanzierungsbedarf, eine Ausdünnung des Auslandsnetzes – die Liste der Grausamkeiten (aus Commerzbank-Sicht) ist  lang. Orcel sieht freilich ein „Wertschöpfungspotenzial“ von bis zu zwei Milliarden Euro, speziell im Zusammenspiel mit der HypoVereinsbank im  Geschäft mit deutschen Privat- und Mittelstandskunden.

Bisher gibt ihm der Erfolg recht. Als er von der Schweizer UBS kommend,  im April 2021 in Mailand als CEO startete, lag der Aktienkurs der UniCredit bei rund 8,5 Euro. Am Dienstag stieg die Aktie auf rund 68 Euro, ein Anstieg um 700 Prozent. 

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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