Warum ein abgehalfterter Videospielehändler Ebay übernehmen will

Wirtschaft

Dahinter eine PR-Inszenierung zu vermuten, wie es einige Marktbeobachter getan haben, liegt nahe. Ein abgehalfterter Videospielehändler, der in den vergangenen Jahren als Meme-Stock für Furore sorgte, will einen der traditionsreichsten Online-Marktplätze übernehmen.

Gamestop-Chef Ryan Cohen bot Ende vergangener Woche 55,5 Mrd. US-Dollar (rund 47,5 Mrd. Euro) für Ebay, zur Hälfte in bar, zur Hälfte in eigenen Aktien. Dass die Marktkapitalisierung der Online-Plattform mit  zuletzt 46 Mrd. US-Dollar mehr als viermal so hoch ist wie jene von Gamestop (11 Mrd. US-Dollar) ist nicht der einzige Punkt bei der geplanten Transaktion, der Fragen aufwirft. Der KURIER fasst die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Übernahmeangebot zusammen. 

Warum hat Gamestop das Übernahmeangebot gemacht?

Dass er keine Fantasie habe, kann man Gamestop-Chef Ryan Cohen nicht vorwerfen. Gemeinsam mit Ebay will er einen „viel stärkeren Konkurrenten“ zum Online-Handelsprimus Amazon  schaffen, wie er dem Wall Street Journal sagte. Ob das Zusammengehen funktioniert, ist fraglich. Zwar waren beide Unternehmen zuletzt mit Sammelkarten und Retro-Artikeln mehr oder weniger erfolgreich. Die verbliebenen rund 1.600 Filialen des Videospielhändlers würden eine zusätzliche Vertriebsschiene öffnen. Die Geschäftsmodelle der beiden Unternehmen unterscheiden sich aber grundsätzlich. Ebay fungiert als Vermittler zwischen Käufern und Verkäufern, Gamestop ist als traditioneller Händler positioniert. Aus dem Zusammenschluss ergäben sich kaum Einsparungen, heißt es. Das Gemeinschaftsunternehmen will Cohen  auch führen. 

Wer ist Ryan Cohen? 

Im Online-Handel hat der kanadische Unternehmer und Investor Erfahrung. Er gründete 2011 die auf Tierfutter und Haustierbedarf spezialisierte Firma Chewy, die er 2018 verkaufte. 2020 investierte er im großen Stil in Gamestop, seit 2021 sitzt er im Vorstand, 2023 übernahm er auch die Geschäftsführung. Kolportiert wird, dass Cohens Vergütung eng an die Entwicklung des Unternehmenswerts gekoppelt ist und er beim Überschreiten einer gewissen Marktkapitalisierung mit einem Milliardenbonus rechnen kann. 

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Was macht Gamestop?

Bekanntheit erlangte Gamestop in den vergangenen Jahren als sogenannter Meme-Stock. Zunächst diente er in der Corona-Pandemie Amateur-Händlern als Vehikel, um großen Hedgefonds an der Wall Street ihre Grenzen aufzuzeigen. Die hatten auf fallende Gamestop-Kurse gewettet und wurden von den privaten Spekulanten überrascht, die den Kurs der Aktien – konzertiert über die Online-Plattform Reddit – hochtrieben.  

Der 2000 gegründete Videospielehändler versäumte es, rechtzeitig auf den stark wachsenden digitalen Vertrieb von Videospielen zu reagieren. 2016 zählte man noch 7.500 Filialen weltweit, heute sind es weniger als 2.000. Die Umsätze waren 2025 auf knapp über 3,8 Mrd. Dollar geschrumpft. Im Vergleich dazu betrugen sie Ende des vergangenen Jahrzehnts noch über 8 Mrd. Dollar. Cohen versucht, das Unternehmen zunehmend online aufzustellen, schloss zahlreiche Filialen und erwirtschaftete in den beiden vergangenen Jahren wieder deutliche Gewinne. 2025 waren es 131 Mio. Dollar. 

Verfügt das Unternehmen über die 55,5 Mrd. US-Dollar, um Ebay zu übernehmen?

Nein. In den Bilanzen von Gamestop scheinen Barmittel von rund 9 Mrd. US-Dollar auf, die für die Transaktion eingesetzt werden könnten. Angeblich gibt es auch eine Zusage für einen Kredit von 20 Mrd. US-Dollar für die Übernahme. Woher der Rest kommen soll, ist unklar. Die Rede ist etwa von Staatsfonds aus dem Nahen Osten. Cohen sprach auch davon, dass neue Aktien ausgegeben werden könnten, um den Deal zu finanzieren. Fünf Prozent an Ebay hält …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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