Reden über das Schweigen und das Vergehen der Jahre

Kultur

Theater als Abbild der Gesellschaft, das kennt man aus der Weltliteratur. Wenn es aber vom Umgang miteinander erzählt, entstehen ganz besondere Momente, wie in Milena Michaleks Stück „Was sind wir für Tage“. So sinnfrei der Titel zunächst erscheinen mag, so tief trifft er ins Innere.

Die 1993 in Wien geborene Autorin zählt zu den bemerkenswerten Stimmen der jungen Dramatikergeneration. Zwei ihrer Stücke wurden bereits bei den Autorentheatertagen in Berlin gezeigt. Für das Kosmos Theater entwickelte sie mit einem vierköpfigen Ensemble (Luca Bonamore, Marlene Hauser, Aline-Sarah Kunisch, Samuel Simon) einen kurzweiligen Text über Befindlichkeiten. Die Bühne (von Albert Frühstück) ist mit hellen Stoffbahnen zum Halbkreis geformt. Zu Beginn sieht man eine Strandszene. Man ist in Usedom, im Schreibexil einer Autorin. Aline-Sarah Kunisch trägt nahezu atemlos vor, was diese zu Papier gebracht hat, sie reflektiert über das Schreiben, ihren Alltag, die Schwangerschaft.

Ihre Rückkehr führt sie in den Alltag. Wortspielereien über Entschuldigungen, warum sie nicht zu einem Treffen kommen kann, werden am Klavier begleitet. Dann findet sie sich mitten unter den anderen. Die Frage „Wie geht’s dir?“ steht im Raum. Was soll man darauf sagen?

Verletzliche Gestalten reden über das Schweigen, das Ein- und Auschecken in Beziehungen. Die Gruppe teilt sich auf, per Live-Kamera wird das Geschehen hinter der Bühne übertragen. Das erinnert an eine Frank-Castorf-Inszenierung. Bei Michalek wirkt das aber nicht wie ein Plagiat, sondern wie eine Hommage.

Am Ende findet man sich zu viert in einem Zimmer ein und fantasiert über Urlaube und das Vergehen der Jahre. Man würde ihnen gern länger zuhören.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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