Meinl-Reisinger in Äthiopien: Auf den Spuren der „Fat Lady“

Politik

Außenministerin Beate Meinl-Reisinger weilt am Montag in Addis Abeba. Bereits am Sonntag wird von der dortigen österreichischen Botschaft eine kleine Ausstellung eröffnet, die daran erinnert, dass bis vor gar nicht allzu langer Zeit eine frühere österreichische „Herrscherin“ in Äthiopien sehr präsent war, ohne freilich selbst leibhaftig jemals dort gewesen zu sein. Bis in die 1950er war in der Region nämlich der „Maria-Theresien-Taler“ eine gängige Währung.

Der Maria-Theresien-Taler wurde erstmals 1741 geprägt und trug über die Jahre neben Doppeladler, Kaiserkrone und Wappen und dem Wahlspruch „Justitia et Clementia“ („Gerechtigkeit und Milde“) auch verschiedene Bildnisse der namensgebenden Habsburger-Monarchin Maria Theresia (1717-1780). Sie wird gemeinhin als Kaiserin tituliert, formell war sie damals aber Erzherzogin von Österreich sowie Königin von Ungarn, Kroatien und Böhmen.

Weil das Gewicht dieser Münze stabil war und eine Randbeschriftung die Fälschung erschwerte, wurde sie laut dem Internetportal www.habsburger.net für rund 200 Jahre zu einem beliebten Zahlungsmittel im Mittleren Osten sowie in Asien und Afrika. Das machte sich die habsburgische Monarchie zunutze und exportierte den Taler gewinnbringend. Allein zwischen 1752 und 1763 nahm der Staat mit diesem Orienthandel rund 800.000 Gulden ein. Nach grober Schätzung anhand der jeweiligen Kaufkraft wären das heute immerhin rund acht Millionen Euro.

In Äthiopien mutierte der Maria-Theresien-Taler ab dem späten 18. Jahrhundert zur faktischen Landeswährung. Er war dort angeblich so beliebt, dass die Menschen anderen Währungen lange Zeit misstrauten. Da die Menschen in der Region nur Münzen mit dem vertrauten Abbild akzeptierten, wurden die Taler über Jahrhunderte hinweg fast unverändert mit der Jahreszahl 1780 (ihrem Sterbejahr) nachgeprägt. Sogar Kolonialmächte wie Italien oder Großbritannien produzierten die Münze, um in Äthiopien Handel treiben zu können.

  Kabinettschef von Ministerin Tanner wechselt in die Privatwirtschaft

Briten sprachen spöttisch von „Fat Lady“

Ab 1780 zeigte die Zwei-Gulden-Silbermünze ein Altersbildnis der gewichtigen Herrscherin mit Witwenhaube und leichtem Doppelkinn. Wegen dieser üppigen barocken Formen bekam die Münze von den Briten auch einen nicht gerade schmeichelhaften Spitznamen verpasst: „Fat Lady“.

Doch waren die österreichischen Silbertaler bis weit ins 20. Jahrhundert hinein die Hauptwährung in Äthiopien. Als die Truppen von Diktator Benito Mussolini in den 1930er Jahren in Äthiopien einmarschierten, um das afrikanische Land für das faschistische Italien zu unterjochen, hatten sie laut Berichten im Marschgepäck kofferweise solche Taler eingepackt, mit deren Hilfe die Unterwerfung der Äthiopier und die Konsolidierung der Macht gelingen sollte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verbot der äthiopische Kaiser Haile Selassie, der von 1930 bis 1974 regierte, den Handel mit dem „Maria-Theresien-Taler“. Zeitzeugen zufolge wurde damit aber bis in die 1950er Jahre gezahlt. Dann setzte sich die an sich schon 1894 eingeführte äthiopische Währung Birr durch. Wobei „Birr“ wohl nicht zufällig „Silber“ bedeutet …

Viele Taler wurden aber schon ab Juli 1945 eingeschmolzen. Als Schmuckstück hängt der „Maria-Theresien-Taler“ in Äthiopien aber auch heute noch an so mancher Halskette. Er gilt auch als Glücksbringer, vermutlich weil der Name „Maria“ gemeinhin eher mit der christlichen Gottesmutter assoziiert wird. Das bei Sammlerinnen und Sammlern immer noch beliebte Geldstück gilt jedenfalls als der vielleicht langlebigste Vertreter seiner Spezies überhaupt. Von der „Münze Österreich“ wird der „Maria-Theresien-Taler“ ja bis heute geprägt.

Treffen mit EU-Kommissar und Äthiopiens Außenminister

Meinl-Reisinger hätte an sich bereits am …read more

Source:: Kurier.at – Politik

  "Tiefe Besorgnis": Russische Raketen flogen über Tschernobyl

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.