
Versprochen wurde viel. Top-Jobs, gutes Gehalt, Work-Life-Balance, Unternehmen, die sich um ihre Mitarbeiter reißen: Millennials und die Generation Z galten als junge, begehrte Talente, man sprach von einem Kampf um „Young Potentials“. Und jetzt stehen sie vor verschlossenen Türen. Statt unbeschwert ins Berufsleben zu starten, wirken negative Eindrücke auf sie ein.
Der Arbeitsmarkt ist angespannt. Eine Kündigungswelle folgt der nächsten. Die Künstliche Intelligenz scheint plötzlich alles besser und schneller zu können. Sie übernimmt Aufgaben, für die man einst studiert hat. Einfache Einstiegsjobs werden obsolet. „Das macht etwas mit jungen Menschen, wenn sie denken, dass sie und ihre Fähigkeiten nicht mehr viel wert sind“, sagt der österreichische Jugendforscher Heinz Herczeg zum KURIER.
50.000 Dollar für den Karrierecoach
Doch das ist nicht nur ein österreichisches Phänomen. Auch international zeigt sich eine Verunsicherung. Das US-Magazin Bloomberg Businessweek widmet dem Thema sogar seine neueste Ausgabe (May Issue, Anm.). „Young, educated, jobless“, also jung, ausgebildet und arbeitslos, lautet der Titel.
Auch hier die Erkenntnis: Es gibt nicht genug Einstiegsjobs für die Jungen, die Angst vor KI ist groß. In den USA entscheiden sich deshalb immer mehr Junge für die Selbstständigkeit. Sie sind bereit, zu gründen, wenn sie keine Anstellung finden. Oder sie lassen sich von ihren Eltern helfen. Diese wollen ihrem Kind eine gute berufliche Zukunft ermöglichen und investieren dafür bis zu 50.000 Dollar in Karrierecoaches. Und in Österreich? Hier lassen sich drei Entwicklungen ablesen, wie Junge auf die erschwerten Bedingungen reagieren.
Erwartungen werden heruntergeschraubt
In Krisenzeiten gibt man sich bekanntlich zufriedener mit dem, was man hat. So auch die Jungen. Denn, statt mehr zu wollen, schrauben sie jetzt ihre Erwartungen wieder runter. „Es geht nicht darum, viel Geld zu verdienen, sondern um Existenzsicherung. Das war einmal anders“, ordnet Jugendforscher Herczeg ein. Und auch die Wirtschaftskammer sagt auf KURIER-Anfrage, dass das Blatt sich gewendet habe. „Job-Einsteiger müssen zum Teil wieder länger warten, bis sie einen passenden Job gefunden haben, vielleicht auch die eine oder andere Erwartung zurückschrauben.“
Beruflich werden also keine Experimente mehr gewagt. „Lieber einen sicheren Job, auch wenn nicht alles spitze ist, als gar kein Einkommen“, heißt es in der aktuellen „Jugend in Deutschland“-Studie, die vor wenigen Wochen erschienen ist. Diese Haltung zeigt sich laut Herczeg auch in Österreich: „Die Wechselbereitschaft sinkt. Die Jugend sagt: Ich bleibe lieber hier, bevor ich mir etwas anderes suche, wo ich vielleicht noch unsicherer bin und es mir noch schlechter geht.“
Im ersten Moment klingt das nach viel Negativität und Resignation – doch in Österreich hegen die Jungen weiterhin hohe Ansprüche an ihren Job. Geld ist zwar wichtig, aber sie suchen zusätzlich nach einer guten Arbeitsatmosphäre, die „aufbaut und nicht runterzieht“, sagt der Jugendforscher. „Eine Tätigkeit, wo sie ihre Stärken und Interessen einbringen können.“ Motivation ist also da, auch wenn der Wunsch, sich mit dem Job Lebensträume zu erfüllen, bis ans unterste Ende der Prioritätenliste gerückt ist.
Praktische Fähigkeiten haben Vorrang
Die KI sollte neue Jobs schaffen, aber nicht wegnehmen – so lautete lange die These. In den USA aber sollen offene Stellen für Berufseinsteiger seit 2023 um 35 Prozent zurückgegangen sein, analysiert die WKÖ. Der mögliche …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



