L’Oréal-Österreich-Chef: „Die Preise legt allein der Handel fest“

Wirtschaft

Der weltgrößte Kosmetikkonzern L’Oréal ist ungeachtet des Iran-Krieges im ersten Quartal stärker gewachsen als erwartet. Auch in Österreich laufe das Geschäft gut, sagt L’Oréal-Österreich-Chef Stefan Lindenthal im KURIER-Interview und erläutert die Gründe.

KURIER: In der Kosmetikindustrie gibt es erste Lieferengpässe wegen des Iran-Krieges. Wie ist die Versorgungslage bei L’Oréal?

Stefan Lindenthal: Bitte um Verständnis, dass ich dies nicht öffentlich kommentieren kann. Was ich sagen kann, ist, dass wir die aktuelle Entwicklung und die damit verbundenen möglichen Effekte auf unsere Geschäftsabläufe und Lieferketten kontinuierlich und sehr genau analysieren.

Werden die Preise für Kosmetika in den nächsten Wochen oder Monaten steigen?

Auch zu unserer Preisstrategie kann ich mich leider nicht näher äußern. Erlauben Sie mir aber den Zusatz, dass die Hoheit über die Endpreise für die Kunden beim Einzelhandel liegt.

Apropos Preise: Kosmetikhersteller stehen in der Kritik, dass etwa ein Lippenstift in Österreich mehr kostet als in Deutschland, Stichwort territoriale Lieferbeschränkung. Was sagen Sie dazu?

Wir glauben ganz fest an den europäischen Binnenmarkt und fairen Wettbewerb, aber auch hier gilt: Die Endkundenpreise legt einzig und allein der Handel fest. Wir haben darauf keinen Einfluss.

Gibt es zu wenig Wettbewerb im Handel?

Ich kann nur für den Beauty-Bereich in Österreich sprechen, hier gibt es einen stabilen Wettbewerb.

Wie lief 2025 und das erste Quartal in Österreich?

Sehr gut. Der hiesige Beauty-Markt war 2025 sehr dynamisch und wir sind extrem zufrieden mit dem ersten Quartal, hatten ein überaus solides Wachstum und gewinnen weiter Marktanteile.

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Welcher Bereich wächst derzeit am stärksten?

Der Bereich Haarpflege, wo wir ja mit vielen Marken in unterschiedlichen Preisklassen vertreten sind. Hier gibt es einen Trend zur Skinification, also die Haare wie eine Gesichtshaut zu behandeln. Und auch bei den Düften gibt es nach wie vor Wachstum.

Spüren Sie Kaufzurückhaltung oder gibt es tatsächlich den „Lipstick-Effekt“, also dass besonders in schwierigen Zeiten gerne Kosmetikprodukte gekauft werden?

Wir haben weltweit 40 Marken in vier Geschäftsbereichen, sind also sehr breit aufgestellt und decken die gesamte Preispalette ab, von 5 bis 500 Euro. Und ja, Menschen wollen sich auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ein Quäntchen Luxus im Alltag gönnen. Das sehen wir bei den Luxusmarken wie Prada oder Valentino, aber auch bei Garnier oder L’Oréal Paris.

Für uns hat Schönheit kein Alter, die GenZ ist genauso wichtig wie die 55plus. 

Stefan Lindenthal

Welche Zielgruppe ist kaufkräftiger, die jüngeren oder die ältere?

Das ist schwer am Alter festzumachen, sondern eher an sozioökonomischen Faktoren wie Einkommen oder Beauty-Affinität. Für uns hat Schönheit kein Alter, die GenZ ist genauso wichtig wie die 55plus. Die Bevölkerung altert, bis 2030 werden rund 50 Prozent der Frauen in Österreich über 45 sein, ein Drittel sogar über 60. Das ist eine sehr wichtige Zielgruppe. Aber auch bei den Männern sehen wir noch Potenzial.

Jüngere kaufen überwiegend online ein, wie wichtig ist der Online-Vertrieb?

Der Online-Anteil macht bei uns etwa 30 Prozent aus. Das zeigt: Auch der stationäre Handel ist uns nach wie vor sehr wichtig.

Kosmetiktrends werden immer häufiger von Influencerinnen via Social Media verbreitet. Wie wichtig ist diese Art von Werbung für L’Oréal?

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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