Eigene Ressourcen stärker nutzen: ÖBAG verfolgt neue Strategie

Wirtschaft

„Wir sind dankbar für verlässliche Dividenden, aber darüber hinaus sollen die ÖBAG und ihre Beteiligungen eine standortpolitische Verantwortung über ihr Geschäftsfeld hinaus übernehmen“, sagt Wolfgang Hattmannsdorfer. Der Wirtschaftsminister hat am Donnerstag die neue Strategie für die Staatsholding präsentiert, die u.a. an OMV, Verbund, Post, Telekom Austria, Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) oder den Casinos Austria beteiligt ist.

Energieversorgung günstiger und resilienter machen

Während es früher, unter der Aufsicht des Finanzministeriums, stets darum gegangen war, Einnahmen für den Staat zu generieren, soll die ÖBAG unter dem nun verantwortlichen Wirtschaftsministerium ganz spezifische strategische Ziele verfolgen. Fünf Punkte stellen die zentralen Leitlinien dar:

Kosteneffiziente Energieversorgung

Stärkerer Ausbau kritischer Infrastruktur

Stärkung der Resilienz und wirtschaftliche Souveränität

Fokus auf Innovation und Forschung in Schlüsseltechnologien

Aktive Nutzung internationaler Kooperationen der Beteiligungen

Sehr viel Wert legt Hattmannsdorfer auf den Punkt kosteneffiziente Energieversorgung. „Energie ist der zentrale Standortfaktor“, so der Wirtschaftsminister. Unternehmen wie OMV und Verbund sollten ihre Bezugsquellen und Lieferketten stärker diversifizieren, Abhängigkeiten von Lieferanten reduzieren sowie Speicher ausbauen. Die Förderung eigener Ressourcen solle im Fokus stehen.

„Fracking“ wird nicht ausgeschlossen

Bei der OMV sei dies etwa das „Neptun Deep“-Projekt, bei dem Erdöl im Schwarzen Meer gefördert werden soll, oder das Geothermie-Projekt „Deeep“ in Wien. „Rohstoffpotenziale im Inland sollen besser genutzt werden“, appelliert Hattmannsdorfer. Auf die Frage, ob dies auch bedeute, Schiefergas durch „Fracking“ zu erschließen, antwortet er: „Es ist nicht Aufgabe des Eigentümers, zu sagen, welche Technologien angewendet werden, wenn es gilt, Potenziale zu heben.“

Als Zugpferd und Türöffner dienen

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Die ÖBAG soll künftig auch dafür sorgen, dass Europa stärker auf eigenen Beinen stehe und sich im globalen Wettbewerb behaupten könne. Die Telekom Austria soll etwa das Thema digitale Souveränität voranbringen oder an einer europäischen Cloud-Lösung mitarbeiten. Alle Unternehmen mit ÖBAG-Beteiligung sind dazu angehalten, als Innovationsmotor zu dienen. Als positives Beispiel wird das Investitionsprogramm Verbund X Ventures genannt, das Start-ups und Scale-ups unterstützt.

ÖBAG-Unternehmen seien derzeit in 38 Ländern weltweit tätig. Mit vielen davon bestehen über Syndikatsverträge enge Beziehungen, bei OMV etwa über ADNOC mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, bei der Telekom Austria über America Movil mit Mexiko. Heimische Unternehmen sollen dabei als Türöffner für andere in neue Märkte agieren.

Internationale Musterbeispiele gesucht

In die Entwicklung der neuen Strategie wurde jahrelange Arbeit gesteckt, betont ÖBAG-Vorständin Edith Hlawati. Gemeinsam mit einem Unternehmensberater wurden auch Vergleiche zu anderen nationalen Beteiligungsgesellschaften angestellt. „Ziel war es, unsere bestehende Strategie herauszufordern“, sagt Hlawati. Manche der internationalen Pendants zur ÖBAG seien vornehmlich an finanziellen Zielen orientiert, andere wiederum viel mehr an Standortzielen. Die ÖBAG will sich genau in der Mitte positionieren.

Nicht zum Stopfen von Budgetlöchern da

Für die Umsetzung der neu vorgegebenen Ziele soll eine Reihe von Leuchtturmprojekten umgesetzt werden. Einige davon werden gemeinsam mit Partnern aus der Wissenschaft umgesetzt. Eines widmet sich etwa der Entwicklung eines Funkturms der Zukunft, der ohne Stahl und Beton auskommt. Ein anderes soll der Frage nachgehen, wie man knappen Wohnraum besser nutzen kann.

Wichtig wäre laut Hlawati, eine Balance zwischen Dividendengenerierung und Investitionen in die Zukunft zu finden. Keinesfalls sollte die Veräußerung von Vermögenswerten der Holding dazu genutzt werden, um Budgetlöcher zu stopfen.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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