Kontroverse um abgesagte Ehrung für Taschner an der Uni Wien

Politik

Das Goldene Doktordiplom wird in Österreich üblicherweise als Erneuerung der akademischen Würde 50 Jahre nach der Promotion verliehen, um besondere wissenschaftliche Verdienste oder eine enge Verbundenheit zur Universität zu würdigen. So eine Ehre sollte auch Rudolf Taschner zuteil werden – doch statt einer akademischen Feier gibt es jetzt einen gehörigen akademischen Wirbel.

Taschner (73) ist Mathematiker, er setzt sich als Professor an der Technischen Universität Wien und als Initiator und Betreiber des Projekts math.space seit vielen Jahren und mit großem Aufwand dafür ein, dass die Mathematik möglichst vielen Menschen zugänglich wird. Taschner ist aber auch Autor und Politiker – er sitzt seit 2017 für die Volkspartei im Nationalrat, wenn auch nicht durchgehend.

Doch nun der Senat der Uni Wien die bereits fixierte Vergabe des Goldenen Doktordiploms an Taschner verhindert, wie die Presse herausgefunden haben will wegen Taschners Äußerungen zum Klimawandel (das sei nur ein Scheinproblem), zu Vergaberichtlinien des FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung), und zu Gender und Postcolonial Studies an der Uni Wien.

Konkret hatte Taschner im Juli 2025 in einem Interview ein bestimmtes vom Wissenschaftsfonds FWF gefördertes Forschungsprojekt an der Musik und Kunstuni (Muk) als „verbranntes Geld“ bezeichnet und warf dem FWF vor, Mittel für ideologisch motivierte Vorhaben zu vergeben. 

ÖVP verteidigt Taschner

Die Absage der Ehrung Taschners will man vor allem in der Wiener ÖVP-Landespartei nicht einfach hinnehmen: Die Kritiker, darunter Klubobmann Harald Zierfuß, Wissenschaftssprecher Michael Gorlitzer und ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti, sehen eine „ideologisch motivierte“ Entscheidung.  So wird die Absage als Angriff auf die Freiheit der Wissenschaft und der Lehre gewertet. Eine Universität müsse ein Ort des offenen Diskurses und nicht der „Gesinnungsprüfung“ sein, so Marchetti. Weiters wird betont, dass Taschner über Jahrzehnte hinweg große Verdienste in der Wissenschaft, der Lehre und der Vermittlung der Mathematik erworben habe. Eine Ausgrenzung aufgrund unbequemer Positionen setze ein falsches Zeichen. Marchetti warnt in diesem Zusammenhang vor einer „ideologisch getriebenen Wissenschaft“.

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Forderung nach Neubewertung

Die Kritiker fordern die Universität Wien dazu auf, die Entscheidung zu überdenken und zu ihren „Grundprinzipien der geistigen Vielfalt und Objektivität“ zurückzukehren. Eine Universität stärke ihren Ruf nicht durch die Ausgrenzung kontroverser Meinungen, sondern durch den Respekt vor wissenschaftlichen Leistungen und die Ermöglichung debattenreicher Auseinandersetzungen.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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