ORF und Salzburger Festspiele: Durchaus Parallelen

Kultur

Sehr geehrtes Kulturamt!

Na, das war ja wieder eine Woche! Zwei der wichtigsten öffentlichen Positionen des Landes wurden mehr oder weniger zeitgleich ausgeschrieben: die künstlerische Leitung des ORF und die Generaldirektion der Salzburger Festspiele, oder umgekehrt. Ich habe nämlich, wenn ich mir die Anforderungen durchlese, die Vermutung, dass sich manche sowohl für den einen, als auch für den anderen Job bewerben könnten – so allgemein sind die Ausschreibungen gehalten. Die Frist für den ORF endet am 28. Mai, jene für die Festspiele am 5. Juni, das ginge sich also zeitlich aus. Ich beantrage daher bei Ihnen, dass jene Bewerbungen, die am Küniglberg im Papierkorb landen würden, automatisch nach Salzburg weitergeschickt werden. So wie mit den beiden Institutionen zuletzt umgegangen wurde, scheint mir das logisch zu sein.

Mit freundlichen Grüßen, A. W.

***

Sehr geehrter A. W.,

vielen Dank für Ihr Schreiben und für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir gerne bestätigen (Geschäftszahl 16/2026). Aus Respekt den beiden Institutionen gegenüber sehen wir uns jedoch zur Ablehnung gezwungen, wenngleich wir den bei Ihnen erweckten Eindruck durchaus nachvollziehen können.

In Bezug auf den ORF scheint der Ausschreibungstext tatsächlich zu suggerieren, dass sich eine Änderung, sofern überhaupt gewünscht, nur im atmosphärischen Bereich abspielen möge. Wir können das, wenn wir uns in die Entscheidungsträger hineinversetzen, auch verstehen: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk war so gut wie immer Spielball der Politik, daran will immer nur jener Teil etwas ändern, der gerade nichts zu reden hat. Kompetenz und Qualifikation sind für die Stiftungsräte sekundär, egal, welche Lippenbekenntnisse man vernimmt, Geschmeidigkeit und ideologische Kompatibilität viel wichtiger. So gesehen war die Bestellung von Ingrid Thurnher ein Betriebsunfall, deshalb ist sie ja auch nur auf Monate erfolgt. Dass wir uns in Hinblick auf die Bestellung ihres Nachfolgers/ihrer Nachfolgerin irren, hoffen wir inständig.

  Musikalische Juwelen mit den Berliner Philharmonikern in Eisenstadt

Was Salzburg betrifft, sind wir in Kenntnis österreichischer Usancen ähnlich skeptisch, weil das dortige Kuratorium zwar kleiner, aber ebenso politisch ist. Um die Kunst dürfte es zunächst ebenso nicht primär gehen wie beim ORF ums Programm jenseits politischer Sendungen. Apropos: Im Sinne eines Neustartes hielten wir es für schwer argumentierbar, wenn die Präsidentin im Amt bliebe. Aber vielleicht liebäugelt sie ohnehin mit dem Küniglberg. Die Ausschreibung träfe mit Fantasie durchaus auch auf sie zu.

…read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.