
Mit 14.000 Besuchern ist das diesjährige Crossing Europe Filmfestival knapp hinter den Zahlen des Jahres 2025 – damals zählte man 14.500 Gäste – geblieben. 133 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus 39 Ländern wurden bei dem Festival, das am Sonntag zu Ende ging, gezeigt. Ausgewählte Festivalfilme sind noch auf den Streaming-Plattformen filmfriend und KINO VOD CLUB sowie bei einem „Nachspiel“ in mehreren österreichischen Programmkinos zu sehen.
Geteilter Hauptpreis
Der Hauptpreis im diesjährigen Spielfilm-Wettbewerb ging ex aequo an die beiden baltischen Filme „Renovacija“ (Renovation) von Gabrielė Urbonaitė und „Svečias“ (The Visitor) von Vytautas Katkus. Als beste Doku wurde „Kdyby se holubi proměnili ve zlato“ (If pigeons turned to gold) von Pepa Lubojacki ausgezeichnet, der sich mit dem Thema Sucht befasst. Den Publikumspreis errang Zuzana Kirchnerovás Spielfilmdebüt „Caravan“.
Der Local-Artist-Award (5.000 Euro) ging an „Gay by Nature“ von Isa Schieche und Helen Weber, den Sachpreis im Wert von 2.000 Euro bekam „Die noch unbekannten Tage“ (Days Yet Unknown) von Jola Wiesczorek. Der mit 3.000 Euro dotierte MIOB New Vision Award wurde an „Vetre, pričaj sa mnom“ (Wind, talk to me) von Stefan Djordjevic vergeben. Den ebenso hoch angesetzten Preis der Yaaas! Jugendjury holte „Les Immortelles“ (Stereo Girls) von Caroline Deruas Peano.
Steigende Kosten
Die Festivalleiterinnen Katharina Riedler und Sabine Gebetsroither befürchten, dass man den Umfang in den kommenden Jahren möglicherweise wird einschränken müssen. Steigende Kosten sowie Ausfälle bei Fördergebern und Sponsoren setzen dem Budget – zuletzt rund 980.000 Euro – zu. Um die Größe halten zu können, hofft man auf mehrjährige Förderverträge und eine Streamingabgabe mit zweckgebundenen Mitteln für Kinos, Filmfestivals und -verleihfirmen.
Siegerfilme mit persönlichen Geschichten
„Renovacija“ spielt in Litauens Hauptstadt Vilnius, wo man sorgenvoll auf den Krieg in der Ukraine blickt. Der Film folgt aber Hauptfigur Ilona ins Private. Sie steht kurz vor ihrem 30. Geburtstag und stellt sich die Frage, was sie im Leben erreicht hat und was sie will. Regisseurin Urbonaité setzt nach eigenem Drehbuch eine Geschichte um, in der die Pläne und Ideen der Menschen der Realität standhalten oder adaptiert werden müssen. Ex aequo und ebenfalls mit 2.500 Euro belohnt hat die Jury „Svečias“, der auch in Litauen spielt. Regisseur und Kameramann Vytautas Katkus begleitet in seinem auf 16 mm gedrehten Spielfilmdebüt den Mittdreißiger und Jungvater Danielius, der von Norwegen in seine Heimat Litauen kommt, um die Wohnung seiner Eltern zu verkaufen. Das zieht sich und Danielius hat es auch nicht eilig, Themen wie Erinnerung, Identität und Zeit tragen den Film.
Die tschechische Regisseurin Pepa Lubojacki gewann mit „If Pigeons turned to Gold“ heuer bereits den Berlinale-Dokumentarfilmpreis und den von den deutschen Kommunalen Kinos verliehenen Caligari-Filmpreis. Sie zeigt ihren Bruder und ihre Cousins, suchtkrank und obdachlos. Mit filmischem Archivmaterial, mit KI-animierten Kindheitsfotografien, Texttafeln und der Beobachtung der drei Protagonisten mit der Handykamera sucht Lubojacki nach der Genese von Sucht; schonungslos, aber mit dem Plädoyer, den Menschen hinter der Krankheit zu sehen.
Musikfilm überzeugte Jugend-Jury
Mit „Les Immortelles“ siegte im Jugendbereich ein Film über Musik, Freundschaft und geplatzte Träume. Die französische Regisseurin Caroline Deruas Peano holt intensive Gefühle, den Zeitgeist der 1990er-Jahre und ihre Tochter Léna Garrel in der …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



