
Wie hat diese Frau das alles unter einen Hut bekommen? Die Antwort des Theaters in der Drachengasse: Mit Getöse. Mit Drill und Trillerpfeife, Begabung und eiserner Disziplin. Am Ende auch, so wird es hier angedeutet, mit einem Schuss Rücksichtslosigkeit, zumindest aber höchster Entschlossenheit.
Die Rede ist von Clara Schumann-Wieck (1819–1896). Ein Wunderkind, das schon mit elf Jahren komponierte. Pianistin, Komponistin, Förderin der Kunst ihres nervenkranken Mannes, Empfängerin stürmischer Liebesbriefe eines anderen. Nebenbei achtfache Mutter und Familienernährerin.
Autor und Regisseur Stefan Lasko macht sich in seiner zweiten Produktion im Theater in der Drachengasse auf die Spuren von Clara Wieck, die als eigenständige Künstlerin sowie als unermüdliche Förderin der Werke ihres Mannes Robert Schumann berühmt wurde. Ihn hatte sie sich schon als sehr junges Mädchen, gegen den Willen ihres Vaters, in den Kopf gesetzt und überlebte ihn um 40 Jahre. Sie war die erste weibliche Professorin an einer Musikhochschule und sorgte als Verlegerin dafür, dass Schuman als Komponist in die Geschichte einging. Außerdem war da noch die Liebesgeschichte mit Johannes Brahms.
Wie sich so viel Leben in einem Menschendasein unterbringen ließ? Das ist die Frage, die dieser Abend klären will. Lasko zeichnet Clara Schumann-Wieck in seinem Stück „Ich sehe Clara“ als Role Model und Feministin. Das spielfreudige Ensemble tanzt, singt und groovt sich durch die Lebens- und Rezeptionsgeschichte dieser außergewöhnlichen Frau und Virtuosin. Das überzeugt bedingt.
Das Fazit, das der Abend zieht, ist nämlich eines, das immer wieder bemüht wird, wenn es um Künstlerinnen geht, die vermeintlich im Schatten ihres Mannes standen. Das stimmt meistens, in diesem Fall aber womöglich nicht. Clara Wieck war tatsächlich schon zu ihren Lebzeiten und auch lange darüber hinaus mehr als „die Gattin von“, sie war ein Superstar. Das erzählt das Stück ja auch selbst.
Zur inhaltlichen kommt die formale Schwäche des Textes, der zum Teil auf penetranten Kalauern und kindischen Sprücheklopfereien basiert. „Everything will Johnny be good“, „Hoch die Tassen auf so viel Großartigkeit“. Das ist vielleicht Geschmackssache, möglicherweise auch manchmal lustig, aber nicht zwei Stunden lang. Wie wohltuend, als zwischendurch Franz Grillparzer zitiert wird.
Auf der Haben-Seite dieser Produktion: Eine Art Musical aus diesem bemerkenswerten Leben zu machen, ist sehr wohl eine gute Idee. Da ist Stefan Lasko durchaus etwas gelungen. Vor allem aber begeistert das wirklich tolle Ensemble, allen voran die hinreißende Agnes Hausmann als Clara. Sie überzeugt als trotziges Wunderkind ebenso wie als vor Liebe brennende Gattin und toughe Verteidigerin der eigenen Lebensplanung. An ihrer Seite: Roman Blumenschein als Robert Schumann und Skye MacDonald als Johannes Brahms sowie als Claras Vater Friedrich Wieck – ein Eislaufvater, wie er im Buche steht.
Die Live-Musik stammt von Stefan Galler und July Skione, die auch gewitzt in allen möglichen Nebenrollen agieren. Kostüme und Bühne verantwortet Kaja Dymnicki. Insgesamt ein sehenswerter, mitreißender Abend, dem man eine größere Bühne und viel Publikum wünscht. Viel Jubel bei der Premiere.
Source:: Kurier.at – Kultur



