
Krieg am Persischen Golf, gestörte Lieferketten, anhaltende Zollkonflikte und damit einhergehend schwächere Konjunkturdaten und eine steigende Inflation. Alles keine guten Voraussetzungen für positive Stimmung an den Kapitalmärkten. Und dennoch konnten sie sich – nach dem kräftigen Einbruch zu Beginn des Iran-Krieges Anfang März – wieder deutlich erholen. Bestes Beispiel ist der Wiener Leitindex ATX.
Dieser erzielte vor Kurzem ein Rekordhoch und schrammte nur knapp an der 6.000 Punkte-Marke vorbei. Aktuell liegt er seit Jahresbeginn gerechnet mehr als acht Prozent im Plus.
Für Bernhard Haas, Senior Fondsmanager bei der Erste Asset Management, sind die Banken – Schwergewichte im ATX – Haupttreiber der Entwicklung. „Die Risikokosten sind gering, das Zinsumfeld gut und das Kreditwachstum ebenso halbwegs.“
Paul Pichler, Fondsmanager bei der Liechtensteinischen Landesbank (LLB), ergänzt: „Banken und Versicherungen sind von den globalen Unsicherheiten am wenigsten betroffen.“
Allerdings gelte es nun generell, ein bisschen Vorsicht walten zu lassen, so Pichler. Denn die extrem hohen Ölpreise seien in den Kursen noch nicht eingepreist. Wenn die Preise noch länger hoch blieben, treffe dies vor allem energieabhängige Branchen. Das weitere ATX-Schwergewicht OMV wiederum profitiere zwar von den gestiegenen Ölpreisen, zugleich habe es infolge des Standorts in Abu Dhabi ein erhöhtes Risiko.
Ein kleiner Gewinner des Krieges ist Pichler zufolge Schoeller Bleckmann (SBO). Auf dem Ölfeldausrüster laste zwar der hohe Rohölpreis, da die Konzerne weniger investieren müssten. Ideal wäre für SBO ein Preis von 65 bis 85 Dollar. Zugleich aber habe SBO im Nahen Osten nur
eine Vertriebsmannschaft. „Für SBO spielt die Musik primär in den USA.“
Für Pichler ist – falls sich das Iran-Problem zeitnah löst – DO&CO ein heißer Kandidat. Die Aktie liegt heuer 15 Prozent im Minus, schließlich sei auch das Airline-Catering von den Flugausfällen im arabischen Raum betroffen. Für Haas hat der Caterer die größte Opportunität im Wiener ATX, gefolgt von Wienerberger (minus 18 Prozent). Auch Feuerwehrausrüster Rosenbauer (plus 23 Prozent) traut er mit dem neuen Management einiges zu. Beide Experten sehen auch in Andritz Potenzial.
Kritik an Regierung
Kritik üben sie an der Erhöhung der Körperschaftssteuer in Österreich im Zuge der Budgeterstellung. „Das ist für internationale Investoren eher negativ“, sagt Haas. Und Pichler ergänzt: „Das ist nicht super positiv für den österreichischen Aktienmarkt. Jedem Unternehmen, das gut verdient, wird mehr abgezogen. Das wird von Investoren nicht gerne gesehen.“ Die gleichzeitige Senkung der Lohnnebenkosten sei zwar sicher kein Nachteil, sie komme aber spät und viele Unternehmen hätten schon Teile ihres Betriebs ins Ausland verlagert.
Für Wien spricht laut Pichler die Osteuropa-Komponente vieler Titel. „Das Wachstum ist dort höher und die Verschuldung geringer.“ Und auch das deutsche Konjunkturpaket würde positiv wirken.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



