
Es sei keine steuerliche Detailfrage, die Sache gehe viel weiter. Biogena-Gründer und CEO Albert Schmidbauer zürnt seit Montag über die eventuell bevorstehende Abschaffung der Sachbezugsbefreiung für vollelektrische Dienstautos. Viele Unternehmen, auch Biogena, haben in den vergangenen Jahren bewusst in die Elektromobilität investiert. Haben PV-Anlagen installiert, Ladeinfrastruktur geschaffen, E-Flotten angeschafft. „Wir haben 2021 mutig begonnen, heute haben wir eine E-Mini-Flotte von 126 Fahrzeugen und insgesamt 180 Fahrzeuge im Bestand“, sagt Albert Schmidbauer. Diese Entscheidung hätte man aus Überzeugung getroffen: für Nachhaltigkeit, für Zukunftsfähigkeit und im Vertrauen auf stabile Rahmenbedingungen.
Nun soll die bisherige Sachbezugsbefreiung für E-Dienstfahrzeuge geändert werden. Das habe weitreichende Folgen – für Arbeitnehmer, weil sie Geld verlieren, für die Unternehmen, weil die Planungssicherheit erschüttert werde. Es gehe „um die grundsätzliche Verlässlichkeit des Standorts“, so Schmidbauer. Deshalb startet er eine Petition, die es ins Parlament schaffen soll.
KURIER: Herr Schmidbauer, Sie sind nicht leicht zu erreichen…
Albert Schmidbauer: Es herrscht gerade viel Aufregung, intern und extern. Es melden sich E-Autofahrer, Umweltliebhaber und viele Unternehmer, die meine Petition unterstützen. Ein paar andere sind auch dabei, die die Sachbezugsbefreiung schon immer unfair fanden.
Sie kritisieren vor allem, dass damit die Planbarkeit untergraben wird.
Das ist ein wichtiges Gut, wovon sollen wir sonst als Unternehmer leben? Diese Verlässlichkeit des Standorts verspielen wir gerade und das ist fatal.
Was fordern Sie konkret?
Wir sind gegen die Abschaffung der Sachbezugsbefreiung. Aber zumindest soll es einen Bestandsschutz bis 31.12.2026 für die Fuhrparks der Unternehmen geben, weil die Autos sind schon angeschafft oder schon bestellt. Und plötzlich ändern sich die Gesetze, das geht so nicht. Außerdem: Man dreht mit einer solchen Neuregelung die E-Mobilität ab. Die Anmeldezahlen von E-Autos wurden bisher vor allem von den Firmen getrieben. Streicht man Vorteile, wird man hier weniger gut vorwärts kommen.
Die Petition ist aktuell von 3.600 Menschen unterschrieben, welche Erwartung haben Sie?
Dass es zumindest eine ernsthafte Diskussion darüber gibt und dass man sich erinnert, dass die Planungssicherheit ein wichtiger Standortfaktor ist. Fürs Budget geht es um nichts, 160 Millionen Euro, das sind gerade mal drei Prozent des Defizits.
Was hieße das Ende der Sachbezugsbefreiung für Ihre Mitarbeiter?
Die Leute sind stinksauer. Es ist absurd, diese Leute als Privilegienritter abzutun. Es geht nicht um große SUV und Limousinen, wie oft dargestellt, sondern um notwendige Fahrten auf dem Land vom und zum Arbeitgeber. Es sind einfache Mitarbeiter, die 150 Euro netto im Monat verlieren – und für die das ein Problem ist. Es heißt dann so schön, dass das ja vom Unternehmen aufgefangen werden kann. Ich darf daran erinnern: 150 Euro netto sind 300 Euro brutto und Lohnnebenkosten obendrauf.
Haben Sie schon Rückmeldung von der Politik erhalten?
Ich habe sie angeschrieben, Bundeskanzler Stocker, Wirtschaftsminister Hattmansdorfer. Bisher gab es keine Reaktion.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



