Pilnacek: Staatsanwältin ging zu „99,9 Prozent“ von Suizid aus

Politik

Am Ende laufen alle Fäden bei ihr zusammen: Susanne Waidecker, leitende Staatsanwältin, Chefin der Staatsanwaltschaft Krems. Ihr Sprengel war es, in dem Christian Pilnacek tot gefunden wurde. Und ihre Staatsanwaltschaft war es, der – direkt und indirekt – Schlampereien und unprofessionelle Arbeit vorgeworfen wurden bzw. werden.

Am 16. Tag des Untersuchungsausschusses bemühte sich die frühere Richterin nach Kräften, „Irrtümer und Missverständnisse“ auszuräumen. Sie warnt zu Beginn, reale Ermittlungsarbeit mit „Tatort“-Folgen zu vergleichen. Tatsächlich sei am 20. Oktober 2023 für die Justiz nur eine Frage von Belang gewesen: „Magister Pilnacek ist tot, gibt es Hinweise auf Fremdverschulden?“

Also: Trägt irgendjemand anderer als der Sektionschef selbst Schuld an seinem Tod. Es sei genau nicht Aufgabe einer Anklagebehörde, alle Todesumstände zu klären. Ob Suizid oder Unfall, das ist für den Staat egal – immer vorausgesetzt, man schließt Fremdverschulden aus.

Für Polizei und Justiz war genau das am 20. Oktober offenbar sehr klar – was zur Frage führt: Wieso so schnell? Mit dem Hinweis auf ihre 30-jährige Erfahrung zählt Waidecker die vorliegenden Fakten auf: Die einsamen Spuren am Ufer, die exakt zu den von Pilnacek getragenen Tennis-Schuhen passten; die am Ufer abgelegte Zigarettenpackung; der bis auf Bergungsspuren „völlig unverletzte Leichnam“; die intakte Kleidung; dann noch die Vorgeschichte, mit der Geisterfahrt und dem, was Karin Wurm und Anna P. erzählten: dass Pilnacek unansprechbar und betrunken war; dass er alle privaten Gegenstände im Haus zurückließ; dass er allein zur Donau ging.

Dass Vertraute nicht an Selbstmord glauben wollen, ist für Waidecker nachvollziehbar. „Für die meisten Angehörigen kommt ein Selbstmord unerwartet. Man sieht’s den wenigsten an.“ Gleichwohl habe Pilnacek gewusst, dass ihn ein Gerichtsverfahren erwartet. „Und er wusste, was danach medial abgeht.“

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Verschwörungstheorien

Dass die Obduktion – wie von der Gemeindeärztin behauptet – nicht stattfinden sollte, stellt sie in Abrede. „Sie wäre jedenfalls passiert.“ Man sei zu „99,9 Prozent“ von einem Selbstmord ausgegangen. Um jedweden Zweifel auszuschließen, habe man angesichts der Bekanntheit Pilnaceks eine Obduktion angeordnet. Waidecker lächelt bitter, als sie sagt, man habe damit Verschwörungstheorien vorbeugen wollen.

Was – mit Ausnahme der ÖVP – alle Fraktionen hinterfragen, ist, warum Pilnaceks Mobiltelefon noch am Tag des Todes an die Witwe übergeben wurde – also vor der Obduktion. Waidecker sagt dazu, bei Selbstmördern „darf ich mir das Handy nicht holen“. Drei Tage nach dem Fund war die Obduktion erledigt. Und hätte diese den „kleinsten Hinweis“ auf Fremdverschulden ergeben, hätte man Handy, Laptop und andere Gegenstände beschlagnahmen können.

Am meisten beschäftigt die Behörden-Chefin der Vorwurf der Schlamperei. Ihre Staatsanwaltschaft habe 24 Berichte an die Oberstaatsanwaltschaft geschrieben. „Es wurde engmaschig gearbeitet“, sagt sie. Die Arbeit vor Ort sei „von ausgezeichneter Qualität“ gewesen, man habe sogar das Wasser in der Lunge mit dem der Donau verglichen, um Zweifel auszuschließen. Angesichts der öffentlichen Anfeindungen sei das egal. „Wir hätten kaum etwas richtig machen können.“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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