Harald Krassnitzer als Demenzpatient: Die Liebe vergisst man nicht

Kultur

Es klopft an der Tür des abgelegenen Landhauses von Hanne und Bernd, und da steht er: Kurt, Hannes Ex-Mann, von dem sie seit dreißig Jahren geschieden ist. Es war eine schmutzige Scheidung damals, denn Kurt hatte Hanne mit einer anderen Frau betrogen und mit der ein Kind bekommen. Das Kind, das Hanne sich immer gewünscht hatte.

Nicht mehr der Alte

Der Kurt, der nun an die Tür „seines“ alten Hauses klopft, ist allerdings ein anderer als damals. Ein kranker Mann, gezeichnet von Demenz, untergebracht in einem Pflegeheim, aus dem er getürmt ist. Seine Tochter ist auf Urlaub im Ausland und denkt nicht daran, zurückzukommen – überhaupt ist sie mit Kind und Job und dem kranken Vater heillos überfordert.

Was also tun? – Hanne und Bernd nehmen Kurt mit Bauchweh vorübergehend bei sich auf, ahnend, dass er ihr Leben auf den Kopf stellen wird. Kurt nimmt das Haus in Beschlag, ganz so wie früher. Er tanzt mit Hanne und mit Bernd, er darf Hanne noch einmal im Gesicht berühren. Ein hilfloses und liebesbedürftiges, zugleich präpotentes Kind, das nichts Böses will und doch alles in der eingespielten Beziehung von Bernd und Hanne durcheinanderbringt. Langsam gewöhnt man sich aneinander, die drei machen Ausflüge, gehen ins Museum, lernen zu lachen, auch wenn die Situation ernst ist. Für die Zeit, in der sie zusammen sind, leben sie in der Gegenwart, genießen den Augenblick. Wissend, dass es aufgrund Kurts fortschreitender Krankheit nicht so bleiben wird.

Harald Krassnitzer, Dagmar Manzel und August Zirner haben genug Lebens- und Schauspielerfahrung, um dieser außergewöhnlichen Menage à trois die Substanz zu geben, die sie braucht, und sie zu einem Liebesfilm der besonderen Art zu entwickeln. Ihr Zusammenspiel ist herzlich, fast zärtlich und man merkt, dass sie das Thema Demenz und körperliche Veränderung nicht kalt lässt. „Es ist eine Liebesgeschichte zwischen drei älteren Menschen mit gemischten Gefühlen und Metamorphosen, durch die sie gehen müssen, um wirklich frei zu sein“, wie Harald Krassnitzer es in einem Interview treffend beschrieb.

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Der Humor ist leise, fast beiläufig, die Inszenierung unaufgeregt. Kompliziertes wird mit Leichtigkeit genommen. Wieder einmal zeigt sich, dass es für einen guten Film nicht mehr braucht als Schauspieler, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausüben und für ihre Rollen auf einem klug ausgearbeiteten Drehbuch aufbauen können.

INFO: D 2026. 102 Min. Von Welf Reinhart. Mit Harald Krassnitzer, August Zirner.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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