Olympiasiegerin Flock: „Manchmal haue ich richtig auf den Putz“

Sport

TV-Auftritte bei Willkommen Österreich und Stöckl, Ehrungen, Empfänge und Einladungen – Janine Flock ist gerade eine gefragte Frau. 

Vor 100 Tagen gewann die 36-jährige Tirolerin in Cortina Olympiagold im Skeleton und erfüllte sich damit einen Lebenstraum.

KURIER: Haben Sie sich schon daran gewöhnt, Olympiasiegerin zu sein?

Janine Flock: Ich weiß schon, dass es real ist, aber  irgendwie fühlt es sich für mich immer noch komisch an, zu sagen: ,Hey, du bist Olympiasiegerin!’ Ich bin stolz, dass ich das durchgezogen habe und in den letzten Jahren die richtigen Entscheidungen getroffen habe.

Wie hat die Goldmedaille Ihren Alltag verändert?

Ich bin viel präsenter. Und ich merke: Wenn ich ein Thema anspreche, dann hören mir die Leute zu. Es ist schön, wenn die Wertschätzung zurückkommt.

Das wäre als Silbermedaillengewinnerin anders, oder?

Mit Sicherheit. Ich bin richtig schockiert, welchen Unterschied die Gesellschaft macht zwischen den Farben der Medaillen. Für uns Athleten zählt jede Medaille, ich wäre auch mit Bronze überglücklich gewesen. Aber in der öffentlichen Wahrnehmung dreht sich alles nur um den Sieger oder die Siegerin.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie sich an das Olympia-Rennen denken?

Dass ich mental über mich hinausgewachsen bin. Es war der perfekte Zeitpunkt, es war vollkommen, ich war reif und bereit für den Olympiasieg. Früher wäre es eher ein Glückstreffer gewesen. Aber in Cortina hat sich alles stimmig angefühlt. Wobei es kein leichter Weg war.

Die wenigsten wissen, dass Sie einen Monat vor den Spielen in St.Moritz eine Gehirnerschütterung erlitten haben. 

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Und das hätte mich früher mit Sicherheit aus der Bahn geworfen. Im Nachhinein war es sicher auch riskant, was ich gemacht habe.

Weil Sie trotz Gehirnerschütterung beim Weltcupfinale in Altenberg an den Start gegangen sind. 

Es ist um die Startnummer für Olympia gegangen. Wenn ich St.Moritz und Altenberg verpasst hätte, wäre ich aus den Top 6 gefallen. Wären keine Winterspiele gewesen, dann hätte ich das vermutlich so nicht gemacht.

Wie beeinträchtigt waren Sie wirklich? 

Ich bin heuer schon in Igls mit dem Schädel links schwer gegen die Bande gekracht. In St.Moritz ist mir das noch einmal passiert. Mein Sichtfeld war eingeschränkt, ich war brutal lichtempfindlich. Mir war ständig schlecht, sobald ich aufgestanden bin, ist mir schwindlig geworden. Ich hatte Kreislaufprobleme und Panikattacken, man hat festgestellt, dass ich einen brutalen Eisenmangel habe. Da ist vieles zusammengekommen. Ich bin vor Olympia einen Monat lang nicht am Schlitten gelegen. Und seit Olympia auch nicht mehr.

Was haben Sie in den 100 Tagen gemacht?

Ich habe im Hier und Jetzt gelebt, ohne große Pläne und genieße es. Wobei ich schon merke, dass ich jetzt langsam ein bisschen ausgebrannt bin. Gar nicht körperlich, sondern eher geistig.

Fehlt Ihnen das Training?

Nicht wirklich. Ich hätte im Moment nicht einmal die Zeit, ein gescheites Training zu machen. Aber das ist okay so, ich halte meinen Körper auf einem Level, dass ich jederzeit fähig bin, wieder ins Training einzusteigen.

Nehmen Sie in so einer Phase eigentlich zu?

Im Gegenteil. Ich habe abgenommen. Ich bin mit 70 Kilo in die Saison gegangen, bei den Spielen war ich dann bei 68, jetzt bin ich auf 63, 64 Kilo. Dabei haue ich manchmal richtig auf den Putz.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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