Entzweites Königreich: Drei Nachbarn wollen weg von England

Politik

Das Nein kam innerhalb von zwölf Minuten. Keine Viertelstunde nachdem das schottische Parlament diese Woche seinen Wunsch nach einem zweiten Unabhängigkeitsreferendum formal ausgesprochen hatte, lehnte die britische Labourregierung den Vorstoß entschieden ab.

So weit, so erwartbar. Doch die Geschwindigkeit mit der sich die Downing Street gezwungen sah, zu reagieren, zeigt wie brisant das Thema ist – nicht nur in Schottland.

Denn der Wind hat sich gedreht: Bei den Parlamentswahlen Anfang Mai wurde in Schottland nicht nur die nationalistische SNP wieder stärkste Kraft im Land; in Wales konnte sich erstmals Plaid Cymru durchsetzen. Gemeinsam mit Sinn Féin, die seit 2024 die Geschicke in Nordirland (mit)lenkt, ist England das erste Mal in seiner Geschichte von drei Ländern umgeben, deren Machthaber offen mit einer Abnabelung von London spekulieren.

Gemeinsam für das Eigene

Auch wenn man von Europa aus den Inselstaat schnell als Einheit wahrnimmt: Wer sich länger hier aufhält, weiß, wie nachdrücklich Schottland, Wales und Nordirland stets um ihre Individualität ringen: sie feiern ihre Fahne, ihre Brauchtümern, ihre Sprache.

Die neue Machtkonstellation ermöglicht es nun, politischen Druck auszuüben. „Ebenso wie Brexit ein Schock für das System war, sind wir überzeugt, dass diese Wahlergebnisse allgemeine Fragen zur Union aufwerfen“, sagte Mary Lou Macdonald, Sinn-Féin-Chefin der Republik Irland, beim Pressegespräch in der Londoner Overseas League.

Erst tags zuvor habe man den walisischen Ersten Minister getroffen. Rhun ap Iorwerth will die Erfahrungen von Schottland und Nordirland nützen, um der britischen Regierung mehr Befugnisse bei Polizei und Justiz zu entringen.

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Nordirland will mehr. Anders als „unsere keltischen Cousins, die Schotten und Waliser“, sei ihr Land seit einem Jahrhundert zweigeteilt: „Wir sind eine Nation, Nord und Süd. Aber unsere schöne Insel hat diese hässliche Grenze.“ 

Dass Sinn Féin diese abschaffen möchte, ist nichts Neues. Aber wie wahrscheinlich ist das ? 

Laut Umfragen des Irish Institutes an der University of Liverpool hält die Zahl jener Nordiren, die für eine Vereinigung stimmen würden, bei 40 Prozent; 60 Prozent befürworten weiterhin den Verbleib im Vereinigten Königreich.

 

Irische Aufholjagd

„Aber“, räumt Politikprofessor Jonathan Tonge von der Universität Liverpool ein, „diese Zahlen werden sich im Laufe der kommenden Jahre angleichen.“ Und: „Sobald der britische Minister für Nordirland zu der Auffassung gelangt, dass ein vereinigtes Irland die Oberhand gewinnt, ist er gesetzlich verpflichtet, ein Referendum anzusetzen.“

Ein „United Ireland“ ist für Tonge also im Bereich der Möglichkeit. Mehr noch: Die Wahrscheinlichkeit dafür habe sich zuletzt deutlich erhöht. „Vor einigen Jahren lag das Thema Generationen entfernt, jetzt könnte es innerhalb der nächsten Generation geklärt werden.“ 

Bewirkt habe das der Aufstieg Sinn Féins, eine Anstieg pro-irischer Katholiken in Nordirland und, einmal mehr, der Brexit. „Die Ironie ist, dass Sinn Féin eigentlich immer anti-europäisch war.“

Nächsten Monat, erinnerte Michelle O’Neill erst bei der Pressekonferenz in London, jähre sich der Brexit zum zehnten Mal. „Zehn Jahre voller Katastrophen und Krisen. (…) Der Brexit war das beste Beispiel dafür, was passieren kann, wenn die Hebel der Macht in London liegen.“

England erinnert die umliegenden Länder gerne darin erinnert, wie sehr sie finanziell vom Verbleib im Königreich profitieren. „Aber ironischerweise“, harkt hier der frühere Sinn-Fein-Finanzminister Conor Murphy ein, „ist der einzige Teil der britischen Wirtschaft, …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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