Ziemliche Reizüberflutung rund um einen stillen Zecher

Kultur

Von: Helmut Christian Mayer

Mit abgeschlossenen Handlungen sind die fantastischen Geschichten von Jacques Offenbachs „Les Contes d’Hoffmann“. Deshalb wurde 2023 vom Grazer Opernhaus die Idee geboren, den Szenenreigen vier Regieteams zu übertragen. Luxuriös, aber durchaus nachvollziehbar. Jetzt wurde diese Produktion wieder aufgenommen.

Im Olympia-Akt zeigt das Kollektiv „1927“ einen Mix aus Live-Aktionen und animierten Filmprojektionen, mit surrealer Opulenz, was jedoch eine ziemliche Reizüberflutung bewirkt. In düsterer Atmosphäre auf einem Eisengerüst wird der „Antonia-Akt“ von Neville Tranter in Szene gesetzt, wobei meist hässliche Klappmaulpuppen mit den Sängern agieren.

Im „Giulietta-Akt“ von Nanine Linnings kommt Venedig nicht vor. Fast leer geräumt, in dunklen Lichtstimmungen wird er von starker Bewegungschoreografie dominiert, mit welcher auf einer sich ständig, zu geräuschvoll drehenden Bühne eine Horrorstory erzählt wird.

Am wirkungsvollsten sind Prolog und Epilog von Tobias Ribitzki inszeniert. Hoffmann wird zu Beginn als stiller Zecher gezeigt, der in völliger Finsternis am Schreibtisch ein Kerzenlicht anzündet. Am Ende ist er wieder einsam dort und bläst das Licht aus. Insgesamt ein nur teilweise gelungener Wurf.

Überwiegend qualitätsvoll ist das Ensemble: Matthias Koziorowski ist zwar ein intensiv agierender Titelheld, er wirkt allerdings stimmlich vor allem in der Höhe angestrengt und hat teils Intonationsprobleme. Anna Brull als Muse/Nicklausse verfügt über einen farben- und emotionsreichen Mezzo und starke Bühnenpräsenz. Tetiana Zhuravel singt die Olympia mit blitzsauberen Koloraturen. Corinna Koller als Antonia begeistert mit ihrem reich schattierten, blühenden Sopran. Norah Sourouzian ist eine intensive Giulietta. Petr Sokolov als Bösewicht mangelt es nicht nur an Dämonie, sondern vor allem an stimmlicher Durchschlagskraft.

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Die kleineren Rollen sind mit Martin Fournier, Daeho Kim und Ted Black gut besetzt. Ausgewogen singt der bewegungsmäßig stark geforderte Chor. Im Orchestergraben gelingt es Johannes Braun, bei den Grazer Philharmonikern feine Detailzeichnungen bei den lyrischen Stellen, aber auch packende Dramatik zu erzeugen. Gewählt wurde bei der unvollendet gebliebenen, einzigen Oper des Komponisten die Michael Kaye/Christophe Keck-Fassung leider ohne Diamantenarie. Stehende Ovationen!

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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