Ćevape und blau-gelbe Fahnen: Wie die bosnische Diaspora ihre Heimat feiert

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„Ich sehe den Sieg schon vor mir“, sagt die junge Wienerin Alida D. in einem blau-gelben Trikot der bosnischen Nationalmannschaft vor dem Anpfiff. Sie sitzt mit ihrer Freundin Aida K. an einem Vierertisch vor dem Donauturm, wo sich die bosnische Community beim Public Viewing für das WM-Spiel Bosnien und Herzegowina gegen Kanada versammelt hat. Ćevape, Kajmak, Lepinje und Ajvar lassen die heimatlichen Gefühle der Bosnier im 21. Wiener Bezirk aufflackern. Das rege Treiben der knapp 400 Fans wird mit dem Einlass der Spieler auf das Spielfeld unterbrochen. Die bosnische Hymne ertönt, die Fans erheben sich im Schanigarten vor dem riesigen Bildschirm von ihren Sesseln. Da ist Stolz in den Augen, da ist Vorfreude in der Luft, da ist Hoffnung. Was fehlt, ist aber der Gesang. Denn die bosnische Hymne, „Intermeco“ genannt, hat keinen Text. Das 1998 offiziell eingeführte Werk wurde vom Komponisten Dušan Šestić geschrieben und ist ein Kompromiss. Die drei großen Bevölkerungsgruppen des Landes (muslimische, orthodoxe und katholische Bosnierinnen und Bosnier) konnten sich auf keinen gemeinsamen Text einigen.

Die Spieler im fast ausverkauften BMO Field in Toronto blicken stoisch nach vorne, während die Melodie spielt. Während die bosnischen Politiker seit Jahrzehnten am Nationalismus scheitern, scheinen die Fußballspieler diesen überwunden zu haben. Sie spielen in einem Team, unabhängig von ihren Konfessionen. Genau dieser Teamgeist hängt auch über dem Wiener Himmel. „Die bosnische Nationalmannschaft besteht zu einem großen Teil aus jungen Männern, die in der Diaspora geboren wurden und dort aufgewachsen sind. Sie gehören einer neuen Generation an, die nicht mit dem Krieg vorbelastet ist. So ist eine neue sportliche Mentalität entstanden“, erklärt Edin K., der seit 2010 in Wien lebt. Vor zwei Tagen hat er gerade noch rechtzeitig ein blau-gelbes Trikot gekauft. „Es ist fast alles ausverkauft, die WM hat einen völligen Hype ausgelöst“, sagt der Wahlwiener.

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Die Stärke der bosnischen Community

Nicht nur für Trikots ist der Andrang groß. Laut Veranstalter mussten die Kapazitäten für das Viewing beschränkt werden. „Es kamen dreimal so viele Anfragen wie für das Deutschland-Spiel. Wir waren selbst überrascht von der Stärke der bosnischen Community“, sagt Fabian Quatember von der CreArtive Group, die für die Organisation des Abends verantwortlich zeichnet. Der Duft von Cevapi hängt in der Luft. Sie wurden vom bosnischen Fleisch-Spezialisten Brajlovic gesponsert. Auch da schwingt wohl Nationalstolz mit. Es herrscht gute Laune, die Menschen plaudern ausgelassen, müssen aber immer wieder plötzlich das Gespräch unterbrechen, um mit einer derben Beschimpfung über eine verpasste Chance, ein Foul oder eine falsche Entscheidung des Schiedsrichters Dampf abzulassen. Man kann an der Sprache der Beschimpfungen quasi erkennen, wer wo geboren wurde. Der Diaspora-Nachwuchs schimpft und unterhält sich miteinander auf Deutsch. „Es ist egal, ob wir gewinnen oder verlieren. Ich habe mir ein ‚Wenn Gott will‘ auf den Arm tätowieren lassen. Das war noch vor der WM-Qualifizierung“, fügt Alida D. hinzu, die in Wien geboren wurde. Ihre Wurzeln liegen in der bosnischen Stadt Livno, die sie gerne und oft besucht.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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