Wiener Start-up macht ChatGPT mit KI-App Konkurrenz

Wirtschaft

Als der US-KI-Anbieter Anthropic vor zwei Wochen auf Geheiß der US-Regierung den Zugang zu seinen besten Modellen für Nicht-US-Nutzer sperren musste, wurde deutlich, wie schnell europäische Anwender von technologischen Lösungen abgeschnitten werden können. Souveränität sei längst nicht mehr nur ein schönes Wort, sondern die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen funktionieren können, sagt Matteo Rosoli. 

Sein Start-up Eustella hat eine KI-App gestartet, die ChatGPT, Gemini und Claude eine europäische Lösung entgegensetzen will. In den vergangenen Wochen wurde sie von rund 5.000 Nutzern getestet, jetzt kann sie aus den App Stores heruntergeladen werden. 

Chatbot und KI-Agenten

Wie auch die großen US-Modelle beantwortet Eustella Fragen, recherchiert Themen oder erstellt mithilfe von Künstlicher Intelligenz Bilder und Präsentationen. Dazu kommen eigene KI-Agenten, die selbstständig Aufgaben lösen können. In einem ersten Schritt erteilen sie Auskünfte oder geben Empfehlungen. In einer weiteren Ausbaustufe sollen sie auch ohne Zutun ihrer Nutzer Transaktionen durchführen, beispielsweise Flüge oder Hotels buchen oder Produkte bei Online-Händlern bestellen können. 

An solchen Lösungen arbeiten längst auch die großen US-Technologieunternehmen, etwa die Facebook-Mutter Meta oder OpenAI. Wer seine Agenten nicht bei Mark Zuckerberg im Silicon Valley laufen lassen wolle, könne jetzt Eustella nutzen, sagt Rosoli. 

Auch preislich will man den großen US-Anbietern zusetzen. Wie bei ChatGPT, Claude oder Gemini ist die Basisnutzung gratis. Wer Eustella häufiger und tiefergehender verwenden will, kann ab sechs Euro monatlich, und damit deutlich günstiger als bei der US-Konkurrenz, ein Abo erwerben.

Die Ziele des Start-ups sind ambitioniert. Bis Ende des Jahres wolle man mindestens eine halbe Million Nutzer haben, sagt Rosoli, besser noch wäre eine Million. Noch kommt der Großteil aus Österreich und Deutschland, aber auch in der Schweiz, Skandinavien und Großbritannien und anderen Ländern war die Lösung bereits testweise im Einsatz. „Wir haben Nutzerinnen und Nutzer von Zypern bis Portugal“, sagt Rosoli. Auch spezifische Lösungen für den Einsatz in Unternehmen sind geplant. 

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„Erster Schritt zur Souveränität“

Zum Einsatz kommen auch bei Eustella neben Modellen des europäischen KI-Platzhirschen Mistral vorerst freie KI-Modelle, die in den USA oder China trainiert wurden. Betrieben werden sie aber auf Servern in Europa, konkret beim Cloudanbieter Ionos in Deutschland. „Datenhoheit und technische Kontrolle bleiben zu hundert Prozent in Europa“, betont Rosoli. „Nutzerdaten werden auch nicht für das Training der KI-Modelle verwendet.“ 

Auch weiterentwickelt und verfeinert werden die Modelle von Entwicklern in Wien. Dadurch könnten sie auch effizienter und günstiger gestaltet werden, erläutert der Eustalla-Chef. Er spricht von einem „ersten Schritt zur Souveränität“. Ziel sei es, eigene europäische Lösungen zu verwenden: „Aber wir haben derzeit noch nicht so große performante eigene Modelle.“ 

Hinter Eustella steht die Firma AI Newsrooms Technology, die neben dem auf Technologie und Start-ups spezialisierten Online-Medium Trending Topics auch KI-Lösungen für Redaktionen bereitstellt. An dem Unternehmen ist neben der Compass Gruppe und den Gründern auch der österreichische Investor Hansi Hansmann beteiligt.

Als Partner setzt man bei Preisvergleichen auf die Plattform Geizhals. Auch mit dem heimischen Kryptowährungsunternehmen Bitpanda kooperiert Eustella, etwa bei Echtzeitdaten zum Bitcoin-Kurs.

Ist das Versprechen einer europäischen Lösung groß genug, um genügend Nutzer gewinnen zu können? „Es gibt einen Markt für Souveränität und Datenschutz“, ist Eustella-CEO Rosoli überzeugt. Unabhängig davon wolle man eine echte …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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