Klimatisierte Geisterstunde im Museumsquartier Wien

Kultur

Es ist verdammt heiß. Und das Museumsquartier ein richtiger Glutmugel. Da hilft es auch nichts, dass MQ-Chefin Bettina Leidl die Innenhöfe üppig begrünen ließ. Aber das Kulturareal, das nun sein 25-Jahr-Jubiläum feiert, ist trotzdem der ideale Ort zum Entspannen bei prächtig runtergekühlten Temperaturen. Denn die Kunsthalle wie das Museum moderner Kunst (mumok), gleich nebeneinander, sind fast so etwas wie Kathedralen. Es ist wunderbar leise. Aber nicht, weil einen die Kunst andächtig schweigen lässt. Sondern weil fast niemand da ist, der groß Lärm machen könnte. Es herrscht geradezu paradiesische Ruhe, erkauft mit vielen Millionen Euro an Subventionen.

Nachteil für alle mit wenig Geld: Die Kunsthalle verlangt Eintritt. Aber das Kellergeschoß gehört einem allein. Dort läuft vor leeren Sitzreihen im Loop der zweistündige Film „Night Shift“ von Scott Clifford Evans, Krankenhaus-Soap mit Triggerwarnung: „starke Sprache, explizite Gewaltdarstellungen und erwachsene Themen“. Triggert trotzdem nicht. Zudem kann man im Foyer warten: Dort gibt es als Bühnenbild den „Davis County General Hospital Waiting Room“. Ihr Tratschpartner ruhte dort fast eine halbe Stunde; ein einziger Mann schaute vorbei – auf der Suche nach dem Klo. Im Erdgeschoß hat die schwer unterforderte Kartenabreißerin richtig viel Zeit, in ihr Handy zu schauen. Auch dort ist es sehr schön kühl. Und bis dorthin gelangt man auch ohne Ticket.

Fast noch bizarrer ist die Situation im mumok. Fatima Hellberg startete ihre Direktion mit der groß angelegten Schau „Terminal Piece“. Den Parcours durch die mit Kunst aufgeladenen Bühnenbilder von Anna Viebrock in der Eingangsebene darf man gratis besuchen. Erstaunlich wenige nehmen das Angebot wahr. Und müssen sich ziemlich ärgern. Denn von Beschriftungen, die ins Auge springen, hält man nichts. Betrachter stören ja nur.

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Und wenn es keine Besucher gibt, braucht es auch keine Cafeteria. Diese gibt es nur mehr als manifeste Erinnerung an eine Zeit, als Direktoren wie Edelbert Köb für Frequenz sorgten. Dort kann man völlig ungestört in der klimatisierten Kühle sitzen und auf die abgesperrte Vitrine mit nichts als Mineralwasser starren. Diese Tristesse wird nicht einmal von Viebrocks Räumen – darunter für „Doktor Faust“ – mit leeren, grauen Sitzreihen übertrumpft. Es ist tatsächlich gespenstisch.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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