
In Hollywood gehen gerade Wünsche in Erfüllung. Sehr billig produzierte Filme spielen sehr viel Geld ein. Der „Backrooms“-Horror aus dem Internet von YouTuber Kane Parsons hat gezeigt, wie junge Regisseure ihre Fangemeinde aus dem Netz mit ins Kino bringen. Ein noch erfolgreicheres Beispiel bietet „Obsession – Du sollst mich lieben“: Curry Barker wurde als Extrem-Comedian auf YouTube mit seinen Sketchen berühmt; nun lukrierte er mit seinem Low-Budget-Beziehungshorror „Obsession“ einen Sensationserfolg an den Kinokassen. Derzeit halten seine Einspielergebnisse bei über 330 Millionen Dollar weltweit, womit die Produktionskosten von 750.000 Dollar 400 Mal übertroffen wurden.
Apropos Beziehungshorror: Wie sage ich meiner besten Freundin, dass ich in sie verliebt bin? Dass ich Tag und Nacht an sie denke?
Ein verklemmter Baumarktverkäufer namens Bear ist in seine Kollegin Nikki verliebt, traut es sich ihr aber nicht zu sagen. Gemeinsam mit einem Freund und einer Kellnerin spielt er die Situation durch, in der er Nikki seine Liebe gesteht. Mühsam ringt er nach Worten, stammelt klebrige Sätze und wirkt wie ein ungustiöser Sonderling. Das Urteil seines Freundes ist vernichtend: „Wenn Nikki das hört, muss sie sich übergeben.“
Unfähig, seine Gefühle zu kommunizieren, spricht Bear in seinem Auto einen Wunsch aus: „Ich wünschte, Nikki würde sich in mich verlieben“. Und siehe da, schon klopft Nikki an seine Autoscheibe – und weicht nicht mehr von seiner Seite.
Regisseur Curry Barker, mit Jahrgang 1999 ein Vertreter der sogenannten Generation „Gen Z“, listet in seinem Pärchenhorror mit grimmigem Humor ungefähr jeden Stressmoment auf, der Menschen beim (toxischen) Dating überfällt. Das beginnt mit einem nervösen „Wie gesteh ich meine Gefühle“ über ein manisches „Bin ich gut genug?“ bis hin zu der Panik, an einen allzu anhänglichen Partner zu geraten. Aber auch männliche Allmachtsfantasien und die Lust, eine Frau zu unterwerfen und ihrer Autonomie zu berauben, beflügeln „Obsession“.
Zwangsverliebt
Tatsächlich spielt Inda Navarette die zwangsverliebte Nikki genau so: Als ferngesteuerte junge Frau, die gegen ihren Willen von einer übermächtigen Liebe überwältigt wird. Mit gefährlich glühenden Augen muss sie zusehen, wie sie sich selbst von einer unabhängigen Person in eine bestialische Beziehungsklette verwandelt. Michael Johnston als narzisstisch verkrampfter Bear wiederum ist hin- und hergerissen zwischen dem Glück der „erwiderten“ Liebe, dem Zweifel an deren Echtheit und dem zunehmenden Gefühlsexzess, der ihn zu verschlingen droht. In dämmrigen Innenräumen entfaltet sich die schwarze Romantik einer Zweierbeziehung mit steigendem Goth-Gruselfaktor. Als Nikki die tote Katze von Bear mitten im Wohnzimmer im Kerzenschein aufbahrt, ist er bereits irritiert. Aber als er das tote Katzenfleisch in seinem Sandwich vermutet, ist er schockiert.
Geschickt baut Curry Barker kleine Schreckstöße ein. Er lässt Nikkis krampfhaftes Grinsen zu lange in ihrem Gesicht hängen und bringt sein Publikum mit blutigen Schockmomenten zum Springen. Das romantische Glücksversprechen „Ich liebe dich so sehr … für immer“ wird zum puren Horrorstoff.
Source:: Kurier.at – Kultur



