Wie Amerika Amerika wurde und was das alles mit Tee zu tun hat

Politik

Am Abend des 16. Dezember 1773 eilte der Arzt John Warren durch die dunklen Straßen Bostons, als ihm ein Freund entgegenrief: „Boston Harbor a teapot tonight!“ Der Hafen sei heute Nacht eine Teekanne. Wenige Stunden zuvor hatten als Mohawk verkleidete Kolonisten 342 Kisten Tee von den britischen Schiffen „Dartmouth“, „Eleanor“ und „Beaver“ ins Wasser geworfen. Der Anwalt John Adams notierte begeistert in sein Tagebuch: Die Tee-Zerstörung sei so kühn und folgenreich, dass sie als Wendepunkt in die Geschichte eingehen werde. Recht sollte er behalten.

Gut 250 Jahre später feiern die USA ihre Gründung. Wobei die Geschichte lange vor der berühmten Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 begann: „Ab den 1760er-Jahren versuchte König Georg III., die Kolonisten an die Kandare zu nehmen. Sie waren ihm zu unabhängig geworden“, sagt der Historiker Mitchell Ash.

Loyale Briten und Teetrinker

Seit der Gründung der ersten dauerhaften englischen Siedlungen Anfang des 17. Jahrhunderts waren die Kolonien zu einer wohlhabenden Gesellschaft herangewachsen. In Philadelphia ratterten Druckerpressen, Boston baute Schiffe, New Yorker Kaufleute handelten mit der Karibik und Europa. Viele Kolonisten verstanden sich als loyale Briten. Sie lasen englische Zeitungen, tranken Tee und feierten den König.

Dann gewann Großbritannien den Siebenjährigen Krieg gegen Frankreich – und blieb auf einem Schuldenberg sitzen. London wollte, dass die Kolonien die Kosten mittragen. Doch für die waren neue Steuern auf Zeitungen, Glas, Farben, Spielkarten und Tee ein Affront, weil ein Parlament, in dem kein einziger Amerikaner saß, die Abgaben verordnet hatte.

Dass Kolonien ans Mutterland Abgaben leisteten, war nichts Neues und international üblich. Neu war aber, dass die Kolonialisten nicht einbezogen wurden. Es ging ums Geld und den politischen Status dieser Menschen. 

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Mitchell Ash / Experte für US-Geschichte

Kampf um politische Rechte

Im Frühjahr 1775 wurde aus dem Zwist Krieg. Bei Lexington und Concord fielen die ersten Schüsse. Farmer griffen zu Musketen, Kaufleute wurden Offiziere. Der Konflikt, der als Steuerstreit begonnen hatte, entwickelte sich zu einem Kampf um politische Rechte und die Zukunft eines ganzen Kontinents.

Ein Jahr danach versammelten sich Delegierte der Kolonien im Pennsylvania State House in Philadelphia, der heutigen Independence Hall. Die Fenster blieben wegen der Sommerhitze geschlossen, damit Passanten die Debatten nicht belauschen konnten. Unter den Delegierten: Benjamin Franklin, John Adams und Thomas Jefferson.

Letzterer erhielt den Auftrag, einen Entwurf für die Trennung von Großbritannien zu schreiben. In einem gemieteten Zimmer formulierte er die berühmten Worte: „We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal.“ Am 4. Juli verabschiedete der Kongress den Text.

Der Krieg war damit nicht gewonnen. Aber die Kolonien erfanden sich selbst neu.

„Das Wort Demokratie kommt in der Unabhängigkeitserklärung übrigens nicht vor“, sagt Ash. Die Gründerväter der USA bastelten an einem Gegenpol zur Monarchie, wollten aber auch die Demokratie in Ketten legen. „Das heutige System der parlamentarischen Demokratie war zum Zeitpunkt der amerikanischen Unabhängigkeit vollkommen unbekannt, das Wort selbst sogar ein Schimpfwort. Mobokratie hat man es spöttisch genannt – die Regierung des Pöbels.“Daher entschied man sich für eine repräsentative Demokratie: Eine Gruppe von vertrauenswürdigen und weisen Bürgern sollte die eigentliche Entscheidung treffen. 

Gegensätze schon bei der Gründung

Zu diesem Zeitpunkt lebten fast 2,5 Millionen …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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