
Als Deutschland vor genau 30 Jahren in London das EM-Finale gegen Tschechien gewann, wurde der damalige Teamchef Berti Vogts beipflichtend mit den Worten „Der Star ist die Mannschaft“ zitiert. Sollte heißen: Der Fußball sei so athletisch und taktisch anspruchsvoll geworden, dass Individualisten an Bedeutung verlieren.
Die damals von vielen Experten geteilte Meinung ist längst widerlegt. Siehe Lionel Messi, Kylian Mbappe, Ousmane Dembele, Harry Kane, siehe Erling Haaland, Ronaldo, Vinicius Junior, Jamal Musiala oder Lamine Yamal.
Doch nicht nur die favorisierten WM-Mannschaften, sondern auch exotische Außenseiter beleben die WM mit kreativen Geistern. Mit selbstbewussten Typen, die an den Außenbahnen im Sprinttempo mit kurzen Haken das Spiel 1 gegen 1 suchen. Wie das in Österreichs Liga (Ausnahme am ehesten Rapids Nikolaus Wurmbrand), ja selbst im Nationalteam selten bis gar nicht zu sehen ist. Und warum?
Während in Afrika und Südamerika die Jüngsten teilweise noch auf den Straßen kicken und sich unbewusst Ballfertigkeit aneignen, ist der Käfigfußball hierzulande weitgehend verschwunden. Die Ausbildungsarbeit lastet auf teils überforderten Vereinen.
„Spiel ab, spiel ab“, brüllen Trainer (und oft auch Eltern) schon bei den Matches der Minis aufs Feld. Was aus pädagogischen Gründen richtig sein mag. Weil es gilt, mannschaftliches Denken dem Kind beizubringen. Zum Dribbelkünstler wird es so freilich nicht gemacht. „Aber wir schauen uns ja alles von den Deutschen ab“, kritisiert (nicht nur) Hans Krankl. Zumal beim großen Nachbarn, so der Senior-Goleador, das Spiel „Einmal berühren“ (= nur ein Ballkontakt) über alles gehe.
Eine weitere Eigenart ist, dass im Nachwuchsbereich Mittelstürmer fast immer als Erste ausgetauscht werden. Es kann kein Zufall sein, dass die letzten 14 Bundesliga-Schützenkönige mit zwei Ausnahmen (Philipp Hosiner, Guido Burgstaller) stets Legionäre waren. Und dass österreichische Klubs im WM-Schatten soeben wieder im Ausland Stürmer einkaufen.
Österreich wurde zum Land der Innenverteidiger und Mittelfeldroboter. Ihrer Verlässlichkeit, Seriosität und Robustheit ist zu verdanken, dass hin und wieder Außergewöhnliches gelingt. Oder um es im Stile von Boulevard-Blattmachern zu formulieren:
WIR können jeden Gegner ärgern. Österreich kann aber auch gegen jeden verlieren.
Source:: Kurier.at – Sport



