Schwache Kauflaune, neue Chancen: Lohnen sich Einkaufszentren noch als Investment?

Wirtschaft

Hohe Inflation, der Kaufkraftverlust und wirtschaftliche Turbulenzen prägen den europäischen Retail-Markt. „Das Problem ist nicht die Besucherzahl, das Problem ist das Einkaufsverhalten per se und die Kaufkraft“, sagt Fabian Kaufmann, Gründer von CC Real. Dem Unternehmen gehören in Österreich die Millennium City, Wien Mitte The Mall und das Shopping Center Graz West und ist international tätig. „Die Menschen gehen einkaufen, sie kaufen aber anders als früher, gönnen sich weniger“, beobachtet Kaufmann. Für Shoppingimmobilien bedeutet das: Die einzelnen Geschäfte brauchen mehr Menschen, um auf einen ähnlichen Umsatz zu kommen.

Für Shoppingcenter im Speziellen bedeutet das: Sie müssen laufend an Trends angepasst werden. „Der Vorteil zur Einkaufsstraße ist: Wir können auf Veränderungen im Markt reagieren, weil wir ein gesamtes Haus bespielen. Wir können auch entscheiden, einen Mediamarkt zu verkleinern und einen TK Max hineinzubringen“, nennt Kaufmann ein Beispiel. Dabei gehe es nicht nur um eine Geschäftsfläche: „Wir wissen, TK Max ist die perfekte Ergänzung für dieses Center aktuell und wir können damit den restlichen Geschäften helfen.“

Der Branchenmix in den Malls ändert sich generell. Alle Center von CC Real sind auf den täglichen Bedarf ausgerichtet, auf Nahversorger, Drogerien, Dienstleister. „Wir haben deshalb auch Kleidung herausgenommen“, betont Kaufmann. Entertainment funktioniert etwa in der Millennium City, wo das Unternehmen im Büroturm seinen Sitz hat, gut. Zum Thema Nahversorgung zählt der Experte auch Gesundheitseinrichtungen. „Das gehört für mich zu den Grundbedürfnissen. Wir haben in fast jedem Center ärztliche Einrichtungen. Diese sind ein Grund, warum man dorthin geht.“ 

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In Einkaufszentren sind Ordinationen an öffentliche Verkehrsmittel angebunden, barrierefrei zugänglich, parken kann man dort auch. „Wenn Kunden regelmäßig zum Arzt kommen, kommen sie auch mal, um einen Kaffee zu trinken“, sieht Kaufmann Synergieeffekte.

Dass für Ordinationen einfach Retailflächen hergenommen werden, sieht Kaufmann kritisch. „In der Millennium City gibt es den Zutritt über die Mall, aber auch einen eigenen Eingang von außen. So kann man zum Arzt gehen, ohne sich jedem und allem aussetzen zu müssen, es geht darum, dass sich Kunden wohlfühlen.“ Ärztlichen Einrichtungen lohnen sich. „Man sieht, dass dieser Bereich wächst, vor allem in anderen Ländern, etwa in Skandinavien. Dort werden Center anders betrachtet. Etwa in Helsinki seien im Shoppingcenter Einrichtungen der Stadt untergebracht, ein Center für Arbeitslose, Büchereien.

Freilich gebe es regionale Unterschiede. „Wir sehen Shoppingcenter als standortbezogen, wollen immer auch lokale Mieter, kleine Händler, hineinholen, nicht nur anonyme große Firmen. Das geht allerdings nur, wenn man intensiv vor Ort tätig ist“, so Kaufmann. Als Beispiel nennt er Split in Kroatien, wo der Fischmarkt in die Mall geholt wurde.

Was Investoren suchen

Das Interesse von Investoren an Retail kommt laut Experten zurück. Auf der Suche nach passenden Objekten trennen Investoren Österreich klar zwischen Wien und dem Rest, ist der Experte überzeugt. Denn: Wien sei die zweitgrößte deutschsprachige Stadt. „Investoren schauen sich Deutschland an und dabei auch Wien.“ Diese nach Linz oder Graz zu bringen, sei hingegen schwierig.

Österreich sei auch abhängig von ausländischen Investoren, da zu wenig Liquidität vor Ort vorhanden ist, zu wenige österreichische Pensionsversicherungen, die groß investieren könnten. „Da die Zeiten nicht einfach sind, tun sich Investoren leichter, in Regionen zu gehen, …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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