Riesiger neuer Stromspeicher in 2140 Meter Höhe lädt erstmals auf

Wirtschaft

Vor wenigen Tagen, am 15. Juni, wurde damit begonnen, Wasser im Speicher Kühtai aufzustauen. Auf 2140 Meter Seehöhe wird sich ein rund 60 Hektar großer, neuer See mit bis zu 33 Millionen Kubikmeter Wasservolumen bilden. Man kann ihn auch als Batterie mit einer Kapazität von mehr als 100 Gigawattstunden betrachten, die für die Energiewende dringend benötigt wird. Der KURIER war auf der Baustelle des aktuell größten Wasserkraftprojekts in Europa.

Ein neuer Speichersee, ein neues Kraftwerk

Im Kühtai, einem Bergsattel südwestlich von Innsbruck, erweitert der Tiroler Landesenergieversorger TIWAG seine Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz. Seit 1981 ist hier bereits ein Pumpspeicherkraftwerk in Betrieb. Zu zwei Stauseen kommt nun noch ein dritter dazu. Das bestehende Kraftwerk (Kühtai 1) wird durch ein zweites (Kühtai 2) ergänzt. Im September 2019 wurde mit den ersten Arbeiten dafür begonnen, schildert Projektleiter Klaus Feistmantl. Im August 2026 wird das Kraftwerk Kühtai 2 erstmals Strom produzieren.

Containersiedlung mit Ausblick

Sechs Jahre lang wurde jeden Tag im Dreischichtbetrieb an dem Projekt gearbeitet. Bis zu 700 Personen waren auf der Baustelle tätig. Viele davon verbrachten jeweils bis zu neun Tage am Stück in den Bergen, entweder um den 140 Meter hohen und 500 Meter breiten neuen Staudamm zu bauen, kilometerlange Tunnel durch den Fels zu bohren oder das neue Kraftwerk in einer riesigen Kaverne 140 Meter unter der Oberfläche zu errichten. Übernachtet wurde in einer großen Containersiedlung etwas abseits der Hotels, in denen alljährlich viele Touristen ihren Winterurlaub verbringen.

Wasser wird das Tal füllen

  Millionenpleite eines bekannten Startups fürs Energiesparen

Die Früchte der Arbeit sind imposant. Der Staudamm, der an der Basis 450 Meter dick ist, wurde großteils mit Materialien in der unmittelbaren Umgebung aufgeschüttet, wovon Steinbruchterrassen am Rand des Stausees zeugen. Derzeit blickt man von der Dammkrone noch tief hinab auf das Wasser. Es soll 113 Meter hoch steigen. Das Wasser stammt aus sechs teilweise weiter entfernten Bächen und wird über einen 25 Kilometer langen und 4,2 Meter dicken Stollen zugeleitet. Der Speichersee Kühtai ist durch einen noch dickeren Stollen (4,5 Meter) mit dem etwas höher gelegenen und etwa doppelt so großen Stausee Finstertal verbunden. Dazwischen sitzt das Kavernenkraftwerk Kühtai 2.

Im Berg wird turbiniert oder gepumpt

Dorthin gelangen Mitarbeiter über einen langen Tunnel mit dem Auto. Geparkt wird mitten im Berg vor dem Portal zu einer großen 65 Meter langen und 25 Meter breiten Maschinenhalle. Vier Stockwerke darunter drehen sich zwei Francis-Turbinen. Entweder sie „turbinieren“ oder sie pumpen. Es schießt also entweder Wasser aus dem oberen Stausee in den unteren, treibt die Turbinen und Generatoren an und Strom wird erzeugt – oder Strom fließt in den Generator, der dadurch zum Motor wird und Wasser durch die Turbine wieder nach oben pumpt. Die Drehrichtung kann innerhalb von zwei Minuten wechseln, je nachdem, ob im Stromnetz gerade ein Mangel oder ein Überschuss an Strom herrscht.

1,13 Milliarden Euro stecken in dem Projekt

TIWAG-Vorstand Alexander Speckle sieht das Projekt als enorm wichtigen Bestandteil des europäischen Energiesystems. Der Ausbau erneuerbarer Energie, um fossile Importe zu verringern, bringt eine hohe Volatilität mit sich. Um Strom bei unregelmäßiger Erzeugung auch dann verwenden zu können, wann man ihn braucht, braucht es Speicher und Pumpspeicher …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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