Brief an Weidel: Wagenknecht buhlt um Wahlkampfhilfe von der AfD

Politik

Der Hype um die Abtrünnige Sahra Wagenknecht war groß gewesen: Die Ex-Linke-Ikone hatte nach Jahren des Polarisierens mit ihrer eigenen Partei gebrochen und trat mit einem auf sie ausgerichteten Bündnis in die Öffentlichkeit. Mit dem sie wenige Monate nach Parteigründung bei drei Landtagswahlen im Osten als drittstärkste Partei siegte.

Doch Erfolg und Ausdauer währten nur kurz: Nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag nach den Wahlen im Februar 2025 und dem Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde bei den Wahlen in Hamburg, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz 2026 hat die Parteigründerin und Namensgeberin den Parteivorsitz schnell sein lassen. Sie wollte, hieß es, stattdessen an der ideologischen Ausrichtung, der Grundwertekommission der Partei, arbeiten. Und um den Vorwurf, es handle sich bei der Partei um Wagenknechts „Ein-Frau-Unternehmen“, wurde aus dem „Bündnis Sahra Wagenknecht“ das „Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft“.

Es war vor allem die Debatte um eine pragmatische Regierungsbeteiligung nach den Erfolgen in den ostdeutschen Bundesländern, die für Konflikte zwischen dem BSW-Bundesvorstand und den Landesverbänden, vor allem in Thüringen, sorgte.

Trotzdem blieb Wagenknecht in der Öffentlichkeit: Auf ihrem YouTube-Kanal kommentiert sie die „Fehlentscheidungen“ der Bundespolitik, „rechnet“ mit den Altparteien „ab“, prangert die „Zerstörung Deutschlands durch die EU und die Bundesregierung“ an. Ihre Videos verzeichnen teilweise bis zu zwei Millionen Aufrufe.

„Debatte auf Marktplatz“

Jetzt übernimmt Wagenknecht aber doch wieder die Repräsentation der Partei: In einem Brief an AfD-Chefin Alice Weidel und Co-Parteichef Tino Chrupalla fordert sie ein Ende der Brandmauer zur AfD und schlägt ein öffentliches Rededuell, das wohl auch Nostalgie hervorrufen soll, zwischen sich und Weidel vor: „eine kontroverse Debatte auf einem großen Marktplatz im Osten der Republik“, bei der man die „wesentlichen Unterschiede“ zur AfD betonen würde, etwa bei der Rüstungspolitik oder der Erbschaftsteuer.

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Dass Wagenknecht jetzt wieder an die Öffentlichkeit drängt, hängt mit dem drohenden Scheitern des BSW im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt zusammen. Eigentlich wären die Landtagswahlen hier am 6. September ein Heimspiel für die einwanderungskritische, russland-freundliche und Berlin-skeptische Partei. Doch hier räumt der als gesichert rechtsextrem eingestufte Landesverband der AfD die Stimmen ab: In Umfragen kommt die AfD auf fast 40 Prozent, könnte nach den Wahlen Anfang September alleine die Regierung stellen. Das BSW fürchtet, selbst bei seiner Zielgruppe von der Bildfläche zu verschwinden.

Zusammenarbeit für Mehrheiten

Der Brief liest sich wie ein Angebot zur Zusammenarbeit: Wagenknecht, die sich wiederholt gegen die „Brandmauer“ der anderen Parteien gegen die AfD ausgesprochen hat, stellt darin eine Zusammenarbeit bei parlamentarischen Mehrheiten in Aussicht, sollte man den Einzug in den Landtag schaffen. Im Gegenzug, so scheint es, hofft sie, auf einer Bühne mit Weidel vom Höhenflug der AfD profitieren zu können.

Doch dürfte auch ein Streitgespräch mit Weidel an den schlechten Umfragewerten wenig ändern: Wagenknecht, die beklagt, dass ihre Partei im öffentlich-rechtlichen Rundfunk „nahezu gar nicht mehr zu Wort“ komme, saß zuletzt im Jänner 2025 mit Weidel zusammen in der tagesschau, kurz vor der Bundestagswahl. Schon damals lag man in den Umfragen unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Und Weidel, die auf den Brief noch nicht geantwortet hat, wird kaum auf das Angebot eingehen. Schließlich erreicht sie auf den eigenen Kanälen Millionen Menschen. Und die hohen Umfragewerte machen eine …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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