
Der Kärntner Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) hat sich am Montag angesichts der Hitze für die Vorverlegung der Sommerferien um zwei Wochen ausgesprochen.
Damit würde man Hitzestaus in den Klassenzimmern ausweichen und durch die längere Unterrichtszeit nach dem Sommer würden „die Herbstferien mehr pädagogischen Sinn“ bekommen, hieß es in einer Aussendung.
Momentan halte man „starr an einer Ferienregelung fest, die vor 80 Jahren fixiert worden ist. Historisch gesehen waren die Sommerferien an die landwirtschaftlichen Erntezeiten angepasst. Heute holt der Landwirt ja auch dann die Ernte ein, wenn sie reif ist und nicht, wann es vor 80 Jahren üblich gewesen ist“, so Fellner. Die landwirtschaftliche Haupternte habe sich durch Hitze und Trockenheit bereits um rund 14 Tage nach vorne verschoben – nun sollte man auch bei den Sommerferien nachziehen.
Der zweite Vorteil sei, dass man zwischen dem Ende der Sommerferien und dem Start der Herbstferien zwei Wochen mehr Unterrichtszeit hätte: „Zwei Wochen, die unterrichtstechnisch wichtig sind und die die Herbstferien auch aus pädagogischer Sicht sinnvoller machen“, so der Landeshauptmann. Er forderte den Bund zum Handeln auf, damit man bereits „im nächsten Jahr früher in die Sommerferien“ starten könne.
Auch Salzburg und Wien für Vorverlegung
Rückenwind erhält Fellner von SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer: „Wir müssen uns an die klimabedingten Änderungen anpassen. Ende Juni ist es heißer als Anfang September, daher sollten wir ganz pragmatisch überlegen, den Beginn der Sommerferien und den Schulstart künftig vorzuverlegen“, so Himmer via Aussendung am Dienstag.
Auch die Wiener Bildungsstadträtin Bettina Emmerling von den Neos zeigte sich vor ein paar Tagen offen, über eine Vorverlegung zu diskutieren. „Während die Hitzebelastung im Juni massiv zunimmt, werden die Tage ab Mitte August bereits kürzer und die Nächte kühler, was eine effektivere Kühlung der Räume ermöglicht“, sagte sie zum KURIER.
Auch aus Salzburg gibt es Unterstützung: Salzburgs Bildungsdirektor Rudolf Mair hält aufgrund der spürbaren Klimaerwärmung eine Vorverlegung der Sommerferien um rund drei Wochen für überlegenswert.
Lehrergewerkschaft skeptisch
Lehrergewerkschafter Paul Kimberger kann der Idee hingegen wenig abgewinnen. Das löse das Problem nicht – die nächste Hitzewelle könne schließlich auch Ende August kommen, gab er zu bedenken. Auch die Grünen zeigten sich skeptisch: Es habe auch schon extreme Hitze im August gegeben, wandte die Wiener Grünen-Chefin Judith Pühringer ein.
Forderungen nach langfristigen Lösungen
Statt kurzfristiger Notmaßnahmen verlangen Lehrer- und Elternvertreter grundlegende Veränderungen. Die Gewerkschaft fordert eine Modernisierung von Schulgebäuden im Hinblick auf Energieeffizienz und Hitzeschutz. Der Katholische Familienverband Wien kritisierte, dass Bund, Länder und Schulerhalter die Verantwortung für überhitzte Schulgebäude hin- und herschieben würden.
Die Grünen fordern einen wissenschaftlichen „Hitze-Index“ als Steuerungsinstrument für alle Schulen, verbindliche klimafitte Bauvorgaben bei Neubau und Sanierung sowie einen unbürokratischen „Beschattungstopf“ für Sofortmaßnahmen wie Außenrollos und Markisen.
Kein generelles „Hitzefrei“ möglich
Grundsätzlich „hitzefrei“ gibt es an Österreichs Schulen nicht. Im Schulunterrichtsgesetz ist nicht einmal für Bildungsministerium oder Länderbehörden eine entsprechende Möglichkeit vorgesehen, immerhin gilt eine Betreuungspflicht. Schulfrei kann grundsätzlich nur bei „Unbenützbarkeit des Schulgebäudes“ gegeben werden.
Teilweise haben Schulen in den vergangenen Tagen mit dem Angebot reagiert, die Kinder ein paar Stunden früher aus der Schule zu entlassen. Möglich ist das allerdings nur, wenn die Betreuung derer sichergestellt ist, die nicht früher gehen wollen. Von …read more
Source:: Kurier.at – Politik



