
Im Vorjahr gab es zwar insgesamt weniger Krankenstände, dafür einen deutlichen Anstieg bei den Kurzkrankenständen und psychischen Erkrankungen, geht aus dem aktuellen Fehlzeitenreport des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo hervor. So verbrachten im Vorjahr die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durchschnittlich vierzehn,7 Kalendertage im Krankenstand, 2024 waren es 15,1 Prozent. Die Krankenstandsquote – die Krankenstandstage in Relation zum gesamten Arbeitsvolumen – lag mit 4 Prozent in etwa auf dem Vorjahresniveau. Im Schnitt dauerte ein Krankenstand 9,1 Tage, wobei es große Unterschiede bei den Fällen und der Dauer gibt.
Auf Kurzkrankenstände (weniger als vier Tage) entfielen bereits 44,7 Prozent (2024: 43,2) aller Fälle, was einen neuen absoluten Höchststand darstellt. Gemessen an der Summe aller krankheitsbedingter Fehlzeiten hatten die Kurzkrankenstände einen Anteil von 10 Prozent. Zum Vergleich: 1990 stellten Krankenstände mit einer Dauer von ein bis drei Tage lediglich 16 Prozent der Krankenstandsfälle und nur 2,6 Prozent der Krankenstandstage dar. Im Jahr 2008 dauerten 30 Prozent der Fälle weniger als drei Tage, 2019 waren es schon 41 Prozent, nun fast 45 Prozent.
Krasse Untererfassung bei Kurzzeitkrankenständen
Die Dunkelziffer bei den Kurzkrankenständen ist freilich weit höher, zumal der Fehlzeitenreport nur die Krankmeldungen an die Sozialversicherung auswertet. In vielen Unternehmen wird eine Krankmeldung von einem Arzt aber erst ab dem zweiten oder dritten Krankenstandstag verlangt. Zu den nicht erfassten Ein- oder Zweitages-Krankenständen gebe es keinen Befund, erklärte Studienautorin Christine Mayrhuber vom Wifo auf Nachfrage bei einer Pressekonferenz am Dienstag.
Im Report heißt es, diese Untererfassung wirke sich „spürbar auf die Krankenstandsstatistik aus, sie verzerrt aber nicht das Gesamtbild“. Unter der Annahme, dass kurze Krankenstände in der Privatwirtschaft genauso häufig sind wie im öffentlichen Dienst, würde sich die Krankenstandsquote um etwa 16 Prozent erhöhen.
Maßnahmen, die auf eine Senkung der Krankenstandstage abzielen, sollten vorrangig bei den Langzeitfällen ansetzen. So sind 1,1 Prozent der Langzeit-Krankenstände für 27,9 Prozent der Krankenstandstage verantwortlich. Hier besonders betroffen sind Ältere.
Hohe volkswirtschaftliche Kosten
Die direkten Kosten krankheitsbedingter Ausfälle, bestehend aus der Entgeltfortzahlung der Betriebe (4,8 Mrd. Euro) sowie dem Krankengeld der Krankenversicherung (1,2 Mrd. Euro), beliefen sich laut den letztverfügbaren Daten aus dem Jahr 2024 auf 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dazu kommen weiters Wertschöpfungsverluste, die unter vereinfachten Annahmen bis zu 8,8 Mrd. Euro bzw. 1,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen können, geht aus den Unterlagen zum Report hervor.
Covid-Folgen „gekommen um zu bleiben“
Trotz des leichten Rückgangs sind die Krankenstandszahlen noch immer höher als vor der Covid-Pandemie. Atemwegserkrankungen hätten seither zugenommen, erklärte Mayrhuber. „Das ist gekommen, um zu bleiben.“ Weiters auffällig: Frauen weisen durchschnittlich mehr Krankenstandstage auf, nämlich 15,5 gegenüber 14,1 bei Männern. Das habe mit der steigenden Frauenerwerbsquote, körperlich und psychisch belastenderen Arbeitsverhältnissen, aber auch der Doppelbelastung von Frauen zu tun.
Psychische Erkrankungen nehmen weiter zu
Während der Anteil von Muskel- und Skeletterkrankungen (z.B. Wirbelsäule, Knie, Schulter etc.) über die Jahre gesunken ist (1994: 22,4 Prozent, 2025: 19,1 Prozent), gab es einen „stillen Anstieg“ psychischer Erkrankungen: Ihr Anteil liegt derzeit bei 11,8 Prozent, 1994 waren es nur 2,6 Prozent. „Die Arbeitswelt im 21. Jahrhundert schont den Körper, fordert aber den Geist, und auf diese Entwicklung muss es Antworten geben“, mahnte Mayrhuber. Seit 2018 steigen die Fallzahlen …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



