Mit mehr Planbarkeit und Innovation wäre die Energiewende günstiger

Wirtschaft

Die heimische Klimapolitik kann bislang noch keine besonders großen Emissionsminderungen bewirken. Außerdem ist sie teuer und hilft der Wirtschaft kaum. Zu dem Schluss kommt eine neue Studie der Ökonomen Jesus Crespo Cuaresma (WU Wien) und Christian Keuschnigg (Universität St. Gallen), die von der privatwirtschaftlichen Klimainitiative Explore in Auftrag gegeben wurde. Darin werden auch Verbesserungsvorschläge gebracht.

Innovation ankurbeln

„Ein Schlüsselfaktor, der es uns ermöglicht, Kosten so niedrig wie möglich zu halten, wird Innovation sein“, sagt Cuaresma. Mit aktuellen Maßnahmen sei mit Kosten für die Energiewende im Umfang von 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2050 zu rechnen. Schafft es Österreich, Forschung und Entwicklung einen Schub zu verleihen, so könnten die Kosten auf 2,9 Prozent des BIP begrenzt werden. Aktuell seien Kosten besonders hoch, weil es eine Diskrepanz zwischen gesetzten Zielen und den dafür notwendigen regulatorischen Anpassungen gebe.

Ambitionen können kaum erfüllt werden

„Das Ambitionsniveau passt nicht mit dem konkreten Infrastrukturausbau zusammen“, präzisiert Alexander Moser-Parapatits, Vorstand Innovation und Strategie bei der Austria Metall AG (AMAG). Auf nationaler und EU-Ebene werden Unternehmen Vorgaben gemacht, die sie in der Praxis durch überbordende Bürokratie und langsame Genehmigungsprozesse nicht umsetzen können.

Hohe Ausgaben für CO2-Zertifikate würden die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Unternehmen aus anderen Weltregionen mindern – die ohnehin schon unter hohen Energie- und Lohnkosten leidet.

Unternehmen wären motiviert

Laut Martin Ohneberg, CEO des Automobilzulieferers Henn Group, seien viele Unternehmen bei der Reduktion von Emissionen hoch motiviert. „Wenn sich aber Rahmenbedingungen laufend verändern, ist es sehr schwer, etwa grünen Wasserstoff nach Österreich zu bringen.“ Viele Maßnahmen seien kurzfristig angelegt, während ein langfristiger, gesamtheitlicher Plan sinnvoller wäre und mehr Planungssicherheit bringen würde.

  Die Regierung macht für den Standort zu wenig

Klimaplan für Österreich präsentiert

In der Studie wird ein „Klimaplan für Österreich“ in fünf Punkten geschildert. Neben der Formulierung langfristiger Emissionsreduktionspfade für alle Sektoren und dem Etablieren eines konstanten Monitorings zählen rasche Genehmigungen sowie eine klare Abstimmung von Regulatorik und Förderungen dazu. Innovationen sollten besonders im Bereich der erneuerbaren Energien und bei der CO2-Abscheidung und -Speicherung gefördert werden. Die CO2-Bepreisung sei allerdings so zu gestalten, dass „Carbon Leakage“, also das Abwandern von Industrie in weniger streng regulierte Märkte, verhindert wird.

Beim Evaluieren bisheriger Klimapolitik sollte man keine Scheuklappen haben, appelliert Moser-Parapatits. „Es gibt keine gottgegebenen Steuern.“ Laut Henn sollte man Unternehmen mehr Vertrauen schenken und mehr Freiheit zugestehen, um Wohlstand zu erhalten. Cuaresma ist überzeugt: „Es braucht langfristige Ziele, die auch glaubwürdig sind. Es wäre gut, wenn wir auf einem nationalen Niveau das Verständnis haben, dass Klimapolitik planbar ist.“

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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