
I man i dram. Das werden so manche der 176.000 ORF-Seher, die bis 2.25 Uhr in der Früh bei Argentinien – Kap Verde (3:2) durchhielten, sich gedacht und gefragt haben: Wie ist’s möglich, dass kickende No Names von einer nur 600.000 Einwohner zählenden Inselgruppe (wo Dietmar Constantini im Winter 2008 Entwicklungshilfe geleistet hatte), dem Weltmeister Argentinien und dem Europameister Spanien ungleich mehr Probleme bereiteten als die Österreicher?
Immerhin waren die Interviews von Marcel Sabitzer und Co nach deren WM-Out nicht zum Fremdschämen. Selbstkritik dominierte. Keiner jammerte über Pech, Referees, Hitze oder redete das WM-Out klein mit dem Hinweis, wonach’s unseren Nachbarn großteils noch schlechter ergangen sei.
Hat Mitteleuropa – eine Parallele zur Wirtschaft – Entwicklungen verschlafen? Oder ist’s nur Zufall, dass es von allen an Österreich grenzenden Ländern nur die Schweiz unter die letzten 16 schaffte; dass sich Italien, Ungarn, Slowakei, Slowenien gar nicht erst qualifizierten; dass die Tschechen sang- und klanglos in der Gruppenphase scheiterten und die Deutschen zum dritten Mal hintereinander bei einer WM frühzeitig heimreisen mussten?
DFB-Teamchef Julian Nagelsmann, 38, trat angesichts des medialen Drucks bereits zurück, auch weil ihm dies mit sieben Millionen Euro Schmerzensgeld erleichtert wird. Denn er hatte einen Vertrag bis 2028. Ähnlich wie ihn Ralf Rangnick, 68, kurz vor der WM beim ÖFB bekam.
In Österreich wird konträr zu Rangnicks Heimatland traditionsgemäß nicht ganz so scharf reagiert.
Wird damit spekuliert werden, dass ein (noch nicht gefundener) Wunderknabe mit Offensivpower von irgendwo her eingebürgert werden kann;
wird gefordert werden, dass mehr Angreifer aus der nationalen Liga (z.B. Hartbergs Elias Havel) zu internationalen Einsätzen kommen ;
wird gehofft, dass einer von den österreichischen U-17-Vize-Weltmeistern bedenkenlos für höhere Aufgaben herangezogen werden kann;
wird und kann – falls das alles mit den Männern nicht so rasch umsetzbar ist – Sportdirektor Peter Schöttel in seiner bewährten Rolle als staatlich geprüfter Beschwichtigungshofrat – vor dem TV-Mikro auf die Frauen verweisen.
Tatsächlich erreichten im WM-Schatten die U-19-Mädels in Bosnien vorzeitig das EM-Halbfinale, ehe sie am Samstag auf … Spanien trafen.
Source:: Kurier.at – Sport



