
Nein, es war kein Handy, das da gepiepst hat. Und auch kein überraschender Star-Gast. Wobei – eventuell schon, aber da verlassen Ihren Rezensenten die ornithologischen Detailkenntnisse: Jedenfalls hat sich bei der Premiere von „Klassik unter Sternen“ in Grafenegg ein Vogel mächtig ins Zeug gelegt, um mitzwitschernd mitzuwirken.
Das zahlte auf die ohnehin schon idyllische Stimmung am Wolkenturm ein: Am Schluss, als Elīna Garanča erstmals überfamos die Puccini-Hitarie „Un bel dì, vedremo“ gesungen hatte, als sie mit ihren Friends Hera Hyesang Park und Angel Romero ein entzückendes Medley von „Wien, Wien, nur du allein“ bis „My Way“ mit bester Laune aufgeladen hatte und von einer besonderen Ehrung zu Tränen gerührt war, war bewiesen: Man ist in Grafenegg angekommen.
Neues Finale
17 Jahre lang fand das Konzert in der besonderen Stimmung von Göttweig statt, bei der 18. Ausgabe nun am Wolkenturm war diese ebenso intensiv, aber doch anders. Das zeigte insbesondere die Zugabe: Das „Ave Maria“, mit dem Garanča die Gäste aus Göttweig auf besinnliche Art in den Abend entließ, hat in Grafenegg eine heitere, hochemotionale Nachfolge bekommen.
Garanča sang die mitreißenden Melodien aus der Zarzuela „María la O“ von Ernesto Lecuona, Karel Mark Chichon und die Tonkünstler NÖ begleiteten mit Begeisterung – ein heiter-tiefgängiger Abschluss.
Zuvor hatte es all das gegeben, was die zahlreichen Fans – das Konzert war ebenso wie die Vorpremiere am Freitag ausverkauft – an „Klassik unter Sternen“ lieben: Etwa große Klassikhits wie das Blumenduett aus Léo Delibes’ „Lakmé“, bei dem Garanča und Park (auch sie begeisterte mit schöner Stimme und sichtlicher Freude) fast schon aus der Bühnentür draußen waren – und dann doch noch einmal die schönsten Töne anstimmten.
Oder Ausflüge ins sogenannte leichte Genre: Der lettische Opernstar sang das „Rosenlied“ aus Carl Zellers Operette „Der Vogelhändler“.
Romero gab den Sänger aus dem „Rosenkavalier“, eine Rolle, mit der er an der Staatsoper reüssierte.
Und auch die ZukunftsStimmen-Siegerin Günel Shirinova reüssierte auf der großen Bühne mit Donizetti.
Und ja, am Schluss waren Sterne am Himmel zu sehen. Garanča bewies ein Mal mehr ihre Ausnahmestellung: Nicht nur ist sie eine der phänomenalsten Stimmen unserer Zeit, sondern auch ein nahbarer Star, der mit Menschlichkeit für Oper zu begeistern vermag. Langer Applaus, glückliche Mienen.
Source:: Kurier.at – Kultur



