Raumfahrt zur Kunst: Museum Liaunig zeigt famose Skulpturen-Schau

Kultur

Nennen wir es den Liaunig-Effekt: Die Mischung aus Irritation und Erhebung, wenn das Fahrzeug im Südkärntner Neuhaus/Suha um die Kurve biegt und man sich inmitten der ländlichen Umgebung einem hochmodernen Gebäudekomplex gegenübersieht, nutzt sich auch beim wiederholten Besuch nicht ab.

Die Idee, dass hier ein Ding aus einer anderen Welt gelandet sein könnte, verstärkt noch die Großskulptur von Bruno Gironcoli am Eingang. Und doch ist der oft ausgezeichnete Museumsbau kein Alien, sondern fügt sich mit seiner Beton-Ästhetik sanft in die Landschaft ein.

Körper im Raum

Dass die Architektur in einem extrem engen Verhältnis zur Kunstsammlung steht, die vom Industriellen Herbert Liaunig (1945–2023) angelegt und von seinem Sohn weitergeführt wird, wurde noch nie so sichtbar wie heuer: Die Saisonausstellung „(K)ein Begriff – Skulpturales aus der Sammlung Liaunig“ gräbt tief in das Verhältnis von Räumen, Körpern, Maschinen und Materialien, das sich im österreichischen Kunstschaffen auf ganz spezielle Art abbildete. Liaunig verfolgte dies und kaufte, während öffentliche Sammlungen meist langsam und zögerlich agierten – wenn sie denn agierten.

Der Parcours, für den Alexandra Schantl, bei den Landessammlungen NÖ für Kunst nach 1960 zuständig, als Gastkuratorin gewonnen werden konnte, legt diese Entwicklungen in einer wunderbar logischen Abfolge aus.

Es beginnt mit einer Art Klassentreffen der Fritz-Wotruba-Schule: In der Mitte des lang gezogenen Haupttrakts ist der große Lehrmeister der Bildhauerei nach 1945, der entlang der menschlichen Figur nach einer elementaren Formsprache strebte, im Kreise von Schülern und Mitstreitern wie Joannis Avramidis, Andreas Urteil oder Franz Xaver Ölzant zu sehen – mit der Stahlskulptur „Block V“ von Marianne Maderna (1985) gesellt sich fast subversiv das Werk einer Frau dazu.

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Junggesellenmaschinen

Wie das klassisch-moderne Skulpturideal aufgelöst wurde, zeigen dann mehrere klug ausgewählte Werke: Roland Goeschl brachte Farbe in die Figur, Helmuth Gsöllpointner machte sie zu einem teleskopartig ausziehbaren Apparat: Der Titel des gezeigten Werks, „Ikarus“ (1976), verweist schon auf das Bestreben, den menschlichen Körper mit Prothesen und Apparaten zu erweitern.

Bruno Gironcolis „Vater Mutter“ (1969/’82) und Cornelius Koligs „Tastgrammatik“ (1975), Großinstallationen mit zarter Folterkammer-Ästhetik, sind wichtige Zeugnisse dieser Denkrichtung – mit Meina Schellander setzt die Kuratorin den „Junggesellenmaschinen“ aber wieder Weibliches entgegen. Florentina Holzinger würde das vermutlich gefallen.

Dasselbe, aber anders

Die Wurzeln der aktuellen Körperkunst lassen sich in der Schau ebenso gut zurückverfolgen wie die vom Künstler Erwin Wurm zur Perfektion getriebene Idee, Kleidung als Skulptur zu begreifen.

Mit Objekten von ManfreDu Schu von der in den 1980ern aktiven Gruppe REM (deren Aktivität kürzlich in einem Buch dokumentiert wurde) zeigt die Schau hier ebenso interessante Querverbindungen wie bei der Idee von Schrift und Sprache als Bildhauerei, wo sich tragbare Zeichen von Josef Bauer, ein Schriftbild von Heinz Gappmayr und ein Bild-Buchstaben-Arrangement von Alfredo Barsuglia begegnen.

Sprechendes Material

In jenem Teil des Parcours, der sich mit edlen und unedlen, beständigen und unbeständigen Materialien befasst, kratzt die Schau wieder die Kurve zur Architektur: Der entlang von Baugeschichten denkende Materialsammler Andreas Fogarasi entpuppt sich als wunderbarer Dialogpartner für Michael Kienzer, der mit vorgefertigten Materialien arbeitet, und für Markus Wilfling, dessen Raumgebilde bewusst nah am Nutzobjekt (Wäschetrockner!) entlangschrammen.

Nicht zuletzt aber ist das Gebäude, das sich noch in eine imposante Rundhalle …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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