
„Kein Zuckerschlecken waren die Arbeitsbedingungen für Fotografen auf Expeditionen in ferne Länder“, sagt die Kuratorin Anna Hanreich.
Aber nach der Erfindung des neuen Mediums anno 1839 – durch ein Verfahren, das Objekte dauerhaft aufzeichnen konnte, allein durch den Einsatz von Licht, das auf bestimmte Chemikalien wirkte – war die Bilddokumentation auch unter beschwerlichen und oft gefährlichen Umständen rasch ein Hit bei den Berufs- und Amateurfotografen.
Die Ausstellung „Die Welt im Fokus“ (bis 26. 10.) in der Albertina zeigt, wie Fotografien, durch die sich die Welt plötzlich mit erstaunlicher Detailgenauigkeit wiedergeben ließ, im Spannungsfeld von wissenschaftlicher Dokumentation, kolonialen und politischen Interessen , Tourismus, Industrialisierung und technischer Innovation entstanden sind.
Und wie sie das damalige Weltbild geprägt haben.
Thematisch führt die Schau in sehr unterschiedliche Regionen: die Alpen und ihre Gletscher, antike Stätten des Nahen Ostens, nach Indien, in entlegenere Territorien des Habsburgerreiches wie Bosnien und Herzegowina, das ewige Sehnsuchtsland Italien und nach Japan.
Ein Österreicher in Japan
Dort erkannte der Österreicher in Yokohama Raimund Stillfried von Rathenitz, Diplomat und Maler und versiert in der Produktion theatralischer Souvenirfotos, als einer der ersten in Fernost das Potenzial der Fotografie als globales Vermittlungs- und Marketinginstrument Japans. „Er prägte so die visuelle Wahrnehmung des Landes in Europa“, schrieb die Japan Times.
Wilhelm Burger, der führende österreichische Expeditionsfotograf des 19. Jahrhunderts, 1868/’69 in Ostasien, 1872 in der Arktis und 1881 im Südwesten der Türkei unterwegs, empfahl das handliche Negativformat 15 x 21 cm, rund 200 Glasplatten zur Mitnahme und berechnete seinen Transportaufwand auf drei Pferde oder ein Kamel und ein Pferd.
Gustav Jägermayers Großglockner-Expedition von 1863, die mit Bergführern und Trägern aufwändig organisiert werden musste, war auch schon Thema der Albertina-Ausstellung „Expedition ins Eis“ (2015). Vermarktet unter dem Titel „Österreichische Alpen“ war die Serie trotz außergewöhnlicher fotografischer Qualität wirtschaftlich ein Flop. Und Jägermayers Firma musste bald darauf Konkurs anmelden.
Beim Rundgang jetzt verbinden und vermischen sich beim Spätgeborenen die historischen Ansichten von seinerzeit auf seltsame Weise im Zeitensprung mit dem selbst Erlebten. „Man merkt auch, wie sehr uns diese Aufnahmen geprägt haben“, sagt Albertina-Direktor Ralph Gleis. „Dass wir heute noch bestimmte Ansichten selber tausendfach reproduzieren.“
Ein bisschen Fernweh provozieren immer noch die bezaubernden Aufnahmen von Giorgio Sommer, der Süditalien und vor allem Neapel und die Amalfiküste dokumentiert hat.
Neue Bildsprache
Irgendwann um 1900 setzte der Hunger nach Bildern in Farbe ein, und die Auflagen touristischer Ansichten stiegen ins Unermessliche.
Ab 1907 lieferten die neu entwickelte Autochromplatten-Technik strahlende Farbaufnahmen, exemplarisch vorgeführt durch eine Bilderserie, entstanden auf einer Norwegenreise im Sommer 1913 von Hamburg nach Bergen, zu den Lofoten und nach Spitzbergen.
Als das Objekt vor der Linse noch das Reiseziel mit Land und Leuten war, ob in Italien oder an der französischen Riviera. Und der Unfug mit den Selfies noch nicht erfunden war …
Source:: Kurier.at – Kultur



