Auto-Experte: „Man kann VW mehr zu Škoda machen“

Wirtschaft

Der Wolfsburger Autobauer Volkswagen (662.000 Mitarbeiter) stemmt sich gegen die Krise. Im zweiten Quartal 2026 ist der Gewinn um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro eingebrochen. In weiterer Folge ist im ersten Halbjahr 2026 das operative Ergebnis um 11,9 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro gesunken. Beim Umsatz kommt der Konzern nicht vom Fleck, dieser hat sich nahezu auf dem Vorjahreswert von 158,1 Milliarden Euro eingependelt. Vier Millionen Fahrzeuge wurden abgesetzt, das ist ein Minus von 8,4 Prozent.

„Für das Gesamtjahr 2026 erwarten wir in anspruchsvollem Umfeld ein robustes Ergebnis über Vorjahresniveau“, sagt VW-Chef Oliver Blume. „Gleichzeitig bleibt das Umfeld für die Automobilindustrie extrem herausfordernd: geopolitische Krisen, Handelskonflikte, hohe regulatorische Anforderungen, volatile Märkte und verschärfter Wettbewerb.“

Bilderbuchunternehmen

Der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht Volkswagen besser aufgestellt als zuletzt dargestellt.

„VW ist besser, als viele denken, wenn man sich zum Beispiel Škoda anschaut“, sagt Dudenhöffer zum KURIER. Die tschechische Konzerntochter sei ein „Bilderbuchunternehmen“ – mit denselben Autos wie VW, nur zu attraktiveren Preisen. Škoda steigerte im ersten Halbjahr den Autoabsatz um 9,1 Prozent auf 555.700 Fahrzeuge und den Umsatz um 6,3 Prozent auf 16 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite von 8,5 Prozent kann sich sehen lassen.

Der entscheidende Unterschied zu VW: „Die Škodas werden nicht in Deutschland produziert.“ Genau darin sieht Dudenhöffer das Kernproblem von VW: zu hohe Produktionskosten am Standort Deutschland, gepaart mit einer Organisationsstruktur, die Veränderungen blockiert.

„Niedersachsen und die Gewerkschaft haben die Mehrheit.“

„VW ist institutionell gelähmt“, sagt der Experte. Die paritätische Mitbestimmung im Aufsichtsrat gebe der Gewerkschaft 50 Prozent der Sitze, das Land Niedersachsen halte weitere 20 Prozent: „Niedersachsen und die Gewerkschaft haben die Mehrheit.“ Anders als bei BMW oder Mercedes könne der Aufsichtsratsvorsitzende nicht durchregieren. Hinzu komme das VW-Gesetz, das zusätzliche Hürden schaffe. Dudenhöffer hält deshalb radikale Einschnitte bei VW für unrealistisch. „100.000 Stellen abzubauen, wird man nicht hinkriegen“, sagt der Auto-Professor. Der zuletzt diskutierte Vorschlag, vier Werke zu schließen, werde „politisch nicht klappen“. Stattdessen rechnet er mit Kompromissen: „Man kann VW ein bisschen mehr zu Škoda machen, aber nicht zu 100 Prozent. Wenn man das könnte, wäre man bei Toyota.“ Im Vorjahr schrieben die Japaner 30 Milliarden Euro Gewinn.

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Beim zweiten großen Problemfeld, dem Chinageschäft, gibt sich Dudenhöffer gelassener. Der Verkaufsrückgang von 37 Prozent sei dramatisch, habe aber nachvollziehbare Gründe: VW habe bei alten Modellen die Verkaufsförderung gestoppt, neue Modelle seien erst seit Mai bei den Händlern. „Man muss der Strategie Zeit geben“, sagt der Experte aus Bochum. Für das zweite Halbjahr erwartet er eine Stabilisierung, im nächsten Jahr sollen Modelle ab umgerechnet 15.000 Euro folgen.

Beschlüsse bis Jahresende

Indes strebt VW-Chef Oliver Blume eine Billigung seines neuen Sparpakets für den Konzern noch in diesem Jahr an. Sein Ziel sei es, dazu bis Jahresende Beschlüsse im Aufsichtsrat zu treffen.

„Wir gehen davon aus, dass wir bis Jahresende dort ein großes Stück weiter sind“, sagte Blume. Vor zwei Wochen waren die Sparpläne erstmals im VW-Aufsichtsrat behandelt worden und bei Arbeitnehmervertretern und dem an VW beteiligten Land Niedersachsen auf Widerstand gestoßen. Vier Werke und bis zu 50.000 Stellen zusätzlich stehen auf der Kippe. Zuvor hatte der Konzern schon die Streichung …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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