
Kaum im Amt, schon wieder weg. Paolo Maldini und Leonardo haben ihre Posten beim italienischen Fußballverband FIGC zurückgelegt – der Streit um die Trainerfrage war größer als der Wille zum Neuanfang.
Erst am 11. Juli hatte der Verband Maldini als technischen Direktor präsentiert, Leonardo sollte ihm als Berater zur Seite stehen. Das Duo sollte den italienischen Fußball nach dem Debakel der WM-Qualifikation neu aufstellen. Jetzt, nach eigenen Angaben rund zwei Wochen später, ist das Projekt bereits wieder Geschichte. Journalist Fabrizio Romano vermeldete den Rücktritt zuerst, Sky Sport Italia bestätigte ihn kurz darauf.
Der Auslöser: ein Name. Andrea Pirlo. Maldini und Leonardo wollten den Weltmeister von 2006 als neuen Teamchef installieren, nachdem sowohl Pep Guardiola als auch Carlo Ancelotti abgesagt hatten. Verbandspräsident Giovanni Malagò aber legte sein Veto ein. Der Grund: Pirlo ist globaler Markenbotschafter des russischen Wettanbieters Fonbet, aktuell trainiert er zudem den emiratischen Klub United FC, der einem russischen Milliardär gehört. Angesichts der politischen Sensibilität rund um Russland wollte Malagò diese Verbindung nicht mittragen.
Der Rückzug
Pirlo selbst zog daraufhin am Montag die Reißleine und erklärte öffentlich, nicht mehr als Kandidat zur Verfügung zu stehen. Er wies dabei jede politische Deutung seiner Geschäftsbeziehung zurück und bezeichnete sie als rein kommerzieller und sportlicher Natur.
Für Maldini und Leonardo war Pirlo aber die einzige Option. Nachdem der Verband ihn blockierte, zogen beide die Konsequenzen und erklärten ihren sofortigen Rücktritt. Italien steht damit ohne technische Führung da – und weiterhin ohne Teamchef. Der Posten ist seit dem Abgang von Gennaro Gattuso im April vakant, nachdem die Squadra Azzurra im Playoff an Bosnien-Herzegowina gescheitert war und damit zum dritten Mal in Folge eine WM verpasst hat.
Die neuen Kandidaten
Als Nachfolger für die Bank werden nun Roberto Mancini, der als Favorit von Malagò gilt, und Antonio Conte gehandelt, der Rückhalt aus der Serie A genießt. Für den Posten des technischen Direktors bringt der Verband intern bereits Giorgio Chiellini ins Spiel.
Italiens Fußball, kaum ein halbes Jahr nach dem verpassten WM-Ticket, bleibt damit weiter im Umbruch – nur diesmal ohne die beiden Männer, die genau diesen Umbruch gestalten sollten.
Source:: Kurier.at – Sport



