Der liebe Kannibale: Wie Tadej Pogacar den Radsport dominiert

Sport

Es wäre jetzt wirklich langsam an der Zeit, sich einen neuen Kosenamen für Tadej Pogacar einfallen zu lassen. Kannibale wurde der Slowene dieser Tage erst wieder von der renommierten „L’Équipe“ genannt, aber diese Bezeichnung wird dem besten Radfahrer der Gegenwart nicht gerecht. 

Kannibale mit menschlichen Zügen

Wenn schon Kannibale, dann ist dieser Tadej Pogacar einer mit menschlichen Zügen, der im Gegensatz zu anderen Champions nicht nur auf dem Egotrip unterwegs ist.

Teamplayer

Diese für Seriensieger ungewöhnliche Charaktereigenschaft offenbarte der 27-Jährige auf dem Weg nach Paris zu seinem fünften Triumph bei der Tour der France. 

Tadej Pogacar hätte in den drei Wochen weit mehr als seine fünf Etappensiege einfahren können, in seiner Überform wäre es ein Leichtes für ihn gewesen, auch noch den Allzeitrekord an Etappensiegen bei einer Tour (8) zu brechen.

Aber Pogacar strampelte sich lieber für seinen UAE-Teamkollegen Isaac del Toro ab: In Barcelona überließ er dem Mexikaner den Etappensieg, in der letzten Woche wich er ihm auf den Bergen nicht zur Seite und lotste ihn auf das Podium und zu Rang 3.

Was soll daran, bitteschön, kannibalisch sein?

Alleinunterhalter

Tatsächlich gibt es nur einen Vorwurf, den sich Tadej Pogacar wirklich gefallen lassen muss: Er ist schlicht zu gut und nimmt damit jegliche Spannung von der Tour. Dass er an Gesamtsiegen mit den Rad-Legenden Eddy Merckx (BEL), den Franzosen Jacques Anquetil und Bernard Hinault sowie Miguel Indurain (SPA) gleichziehen würde, stand bereits nach der dritten Etappe fest, als er seinen Konkurrenten am Berg auf und davon fuhr.

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Bei den Hunderttausenden Radfans, die während der Tour die Straßen säumten, stößt diese Dominanz nicht nur auf Bewunderung. In die Ovationen mischten sich auch einige Buhrufe. „Aber wenn mich jemand ausbuht, denke ich an Novak Djokovic und lasse mich von ihm inspirieren“, sagt Pogacar.

Rekordmann

Nicht einmal eine Dopingkontrolle mitten in der Nacht konnte den Slowenen aus der Bahn werfen. Pogacar kurbelt in einer eigenen Liga und pulverisiert die Allzeitrekorde quasi im Vorbeiradeln. 35:26 Minuten benötigte er für die 21 Serpentinen hinauf nach Alpe d’Huez – damit war um fast eineinhalb Minuten schneller als der bisherige Rekordhalter Marco Pantani.

„Ich habe nicht das Gefühl, dass ich seit 2024 wesentlich stärker geworden bin“, betont Pogacar, „Rekorde interessieren mich nicht so sehr, es geht mir um den Sieg.“

Die Bestmarken kommen ohnehin von selbst. Für Eddy Merckx ist es nur eine Frage der Zeit, bis der 27-Jährige die Tour-de-France-Geschichte umgeschrieben hat. „Ich glaube nicht, dass er sich damit begnügen wird, mit mir und den anderen Champions gleichzuziehen. Bald wird er unseren Rekord an Tour-Siegen brechen“, erklärte die belgische Radlegende.

Persönlichkeit

Auch die historische Bestmarke an Etappensiegen wackelt. Auf Mark Cavendish (35) fehlen Pogacar nur mehr 9 Erfolge. Und sein lukrativer Vertrag beim UAE-Team mit einem Jahressalär von 8 Millionen Euro läuft noch bis 2030.

Für Teamchef Mauro Gianetti ist Tadej Pogacar längst im Olymp der Sportlegenden angekommen. Wie meinte er doch gleich: „Pogi ist inzwischen zu einer weltweiten Persönlichkeit geworden. Er hat die Aura, das Charisma, die Anziehungskraft eines Roger Federer. Er ist eine Ikone.“

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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