Chemische Industrie: Standort Österreich verliert an Wettbewerbsfähigkeit

Wirtschaft

Die österreichische chemische Industrie steht unter massivem Druck. Das geht aus einer aktuellen Studie von Ernst & Young hervor, die am Mittwoch gemeinsam mit dem Fachverband der Chemischen Industrie präsentiert wurde. Die Kernbotschaft: Der Standort Österreich verliert im internationalen Vergleich dramatisch an Wettbewerbsfähigkeit – mit gravierenden Folgen für Beschäftigung und Investitionen.

„Die Personalkosten sind im Moment die größte Herausforderung für unsere Mitgliedsbetriebe“, sagte Ulrich Wieltsch, Obmann des Fachverbands der Chemischen Industrie. Die Zahlen sind alarmierend: Während die Löhne in Deutschland, dem Hauptkonkurrenten und wichtigsten Absatzmarkt, in den vergangenen fünf Jahren um 17 Prozent gestiegen sind, legten sie in Österreich um 29 Prozent zu. „Das ist ein Rucksack von 500 Millionen Euro, den unsere Betriebe zusätzlich zur deutschen Konkurrenz jedes Jahr stemmen müssen“, so Wieltsch.

Lohnstückkosten höher als in Deutschland

Besonders brisant: Mittlerweile seien die Lohnstückkosten in Österreich höher als in Deutschland – eine Entwicklung, die sich erst in den vergangenen drei Jahren vollzogen habe. „Das ist auf Dauer am Markt nicht unterzubringen“, warnte Wieltsch. Die Folgen zeigen sich bereits: Allein im letzten Quartal 2024 verlor die Branche 600 Arbeitsplätze in Österreich.

Neben den Personalkosten belasten vor allem die Energiekosten die Unternehmen. Der Erdgaspreis liegt in den Vereinigten Staaten bei etwa zehn Euro pro Megawattstunde. In Österreich sind es 55 Euro – mehr als das Fünffache. Vor dem russischen Angriff auf die Ukraine sei der Preisunterschied nur halb so groß gewesen. „Mit dem doppelten Preis konnte die Industrie durch höhere Energieeffizienz umgehen. Mit dem Fünffachen geht das nicht mehr“, erklärte Wieltsch.

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Regulatorischer Aufwand belastet vor allem Kleinere

Als drittes großes Problem identifiziert die Studie die regulatorische Komplexität. Laut Befragung von knapp 100 Unternehmen wenden kleinere Betriebe mit einem Umsatz unter 50 Millionen Euro rund acht Prozent ihrer Kosten für die Erfüllung regulatorischer Vorgaben auf, größere Unternehmen etwa fünf Prozent. „Der Unterschied zwischen acht und fünf Prozent klingt klein, aber wenn ich drei Prozent an Marge verliere, entscheidet das über Gewinn und Verlust“, betonte EY-Experte Christian Plas.

Besonders belastend seien Chemikalien- und Stoffrecht, nachhaltige Sorgfaltspflichten sowie Umwelt- und Klimaschutzauflagen. „Es geht uns nicht um das Aufweichen von Standards“, stellte Wieltsch klar. „Umwelt- und Klimaschutz haben unsere volle Unterstützung. Uns geht es um die ineffiziente Umsetzung, um zum Teil unnötige Berichtspflichten und den hohen Aufwand.“

Investitionen sinken um zehn Prozent

Die Kombination aus hohen Kosten und regulatorischem Druck führt zu einem Investitionsrückgang: Die Studie prognostiziert, dass die Investitionsausgaben in den nächsten fünf Jahren im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren um zehn Prozent sinken werden. Dabei betonte Plas: „75 Prozent der Unternehmen geben an, weiterhin in Österreich investieren zu wollen. Es ist nicht so, dass der Standort abgeschrieben wird.“ Und Wieltsch ergänzte: „Die Betriebe wollen nicht abwandern, sie haben nur weniger Investitionen vor.“

Allerdings verschlechtere sich die Position Österreichs im internationalen Vergleich kontinuierlich. Besonders problematisch: Genehmigungsverfahren dauern zu lange, und die Politik ändere zu oft ihre Richtung. „Wenn nicht klar ist, ob etwas kommt oder nicht kommt, haben Betriebe ein Problem“, sagte Plas. „Wenn ich jetzt in eine Produktionsanlage investiere, muss die etliche Jahre halten. Wenn dann in drei Jahren die Politik ihre …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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