Kampfjets ohne Piloten: Rüstungsboom bei Luftfahrtmesse

Wirtschaft

Ob Drohnen, Raketenabwehrsysteme oder sogar unbemannte Kampfjets – bei der dieswöchigen weltgrößten Luftfahrtmesse im britschen Farnborough dominieren erstmals militärische Ausstellungsstücke. Den Organisatoren zufolge macht die Verteidigungsbranche in diesem Jahr die Hälfte der 1.600 Aussteller aus, verglichen mit historischen 40 Prozent. Einen starken Zuwachs gibt es auch an Unternehmen aus den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI) und Deep-Tech.

Hintergrund der Entwicklung sind klarerweise die Konflikte im Nahen Osten und der Ukraine. Weiterhin aber fließe der Großteil der militärischen Mittel in bemannte Systeme wie den Kampfjet F-35 von Lockheed Martin oder den Eurofighter.

Großes Potenzial sieht die Branche neben Drohnen bei autonomen, unbemannten Kampfflugzeugen (Collaborative Combat Aircraft, CCA). Laut Richard Aboulafia, Geschäftsführer des Beraters AeroDynamic Advisory, kann der Markt langfristig mehrere Hundert neue Flugzeuge pro Jahr umfassen. Eine breite Einführung sei jedoch voraussichtlich erst Mitte der 2030er-Jahre zu erwarten.

Geringere Kosten

Ein großes Plus sind die geringeren Kosten. So erwartet die US-Luftwaffe, dass entsprechende Flieger höchstens ein Drittel der Kosten eines F-35-Kampfjets verursachen. Ein F-35 kostet ab 80 Millionen Dollar. Die Luftwaffe will bis zum Ende des Jahrzehnts mehr als 150 autonome Jets einsetzen.

Während die US-Hersteller General Atomics und Anduril Industries maßstabsgetreue Modelle ihrer neuen Klasse unbemannter Flugzeuge in Farnborough präsentieren, die gemeinsam mit bemannten Kampfjets operieren sollen (Wingmen), zeigt Boeing ein bereits flugfähiges Flugzeug – die Ghost Bat. Laut dem Unternehmen nahm dieses als erstes Flugzeug dieser neuen Art bereits an einer multinationalen Militärübung unter Führung der USA teil. Zuvor habe es im Dezember einen erfolgreichen Scharfschuss-Test gegen ein Luftziel absolviert. „Wir verfügen über das ausgereifteste CCA Aircraft“, sagt Bernd Peters, Boeings Vizepräsident für Entwicklung und Strategie. Boeing arbeite bereits seit 2017 an dem Programm. „Das ist echte Hardware, die Sie hier vor sich sehen.“

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Insgesamt werden bei Boeing nach eigenen Angaben derzeit sieben unbemannte Kampfflugzeuge gefertigt. Mehr als 100 Testflüge seien bereits durchgeführt worden. Der US-Konzern zeigt sich überzeugt, bald in Serienreife gehen zu können.

Konkurrenten verweisen wiederum auf ihre hohe Entwicklungsgeschwindigkeit und auf Fortschritte beim Produktionshochlauf. „Innerhalb von zwei Jahren haben wir Leistungen erreicht, für die andere Unternehmen viele Jahre gebraucht haben“, sagt Jason Levin, Senior Vice President bei Anduril. „Anstatt nur kleine, schrittweise Verbesserungen vorzunehmen, machen wir lieber große Sprünge.“

Live-Feuertest

Im vergangenen Monat vergab die US-Luftwaffe Produktionsaufträge an General Atomics und Anduril für den Bau ihrer ersten Flotte halbautonomer „Wingmen“. Vergangene Woche teilte die US-Luftwaffe mit, dass sie in der Mojave-Wüste einen Live-Feuertest gegen ein digitales Ziel mit einem Flugzeug von Anduril durchgeführt habe.

Phil Ewing, Sprecher von General Atomics, erklärt, das Unternehmen habe bereits „mehrere“ Flugzeuge für das Programm der US-Luftwaffe gebaut. General Atomics habe in den vergangenen Jahren „Tausende und Abertausende“ Stunden autonomer Flüge durchgeführt.

Neben den Hardware-Aufträgen treibt die Luftwaffe auch die Softwareentwicklung voran und vergab bereits Produktionsaufträge an einen Pool von sechs Unternehmen, darunter Lockheed Martin.

Mangel an neuen Großraumjets

Die Nachfrage nach neuen Zivil-Flugzeugen wächst schneller, als die Hersteller liefern können. Boeing rechnet über die nächsten 20 Jahre mit einem jährlichen Wachstum des Passagierverkehrs um vier Prozent und des Frachtverkehrs um 3,7 Prozent. Die weltweite Flugzeugflotte soll bis 2045 auf 50.000 Maschinen wachsen. Aktuell sind …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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